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First hours in Iran

From the 16th till the 30th April I went to Iran, to visit a country I was eagerly interested and very curious about for the past years. Probably because  I went their very spontaneously, most of my friends seemed to be anxious about what I would have to expect. But that’s why I could leave unprejudiced and probably unprepared and naive.  

I took of in Leipzig and went to Teheran via Istanbul. It was quiet a pleasant journey, although I traveled alone because my friend had to stay at home for working reasons. Due to the departure time from Istanbul I arrived at Teheran very early in the morning (about 6 o clock am). I took a cab to my hotel and because I couldn’t check in I just left my baggage there to leave, exploring Teheran strollingly. But ‘strolling’ wasn’t the mode to explore a city like Teheran.

During my journey I read about the “shared taxi economy”. I already realized the regular vehicles hoking all the time – obviously to collect passengers during the rush hour in the morning. So I stopped one of them, got on the passenger seat to notice that English wasn’t the language we could have a proper conversation. After a few minutes of “missconversation” I finally took out my guidebook to show him a picture of the place I wanted to go. Somehow he tried to explain me that the “Collectibles” don’t drop you off exactly where you want to go, but drive regular routes, where you can drop on / drop off – similar to the public transportation. But he took so much effort to find another passenger (who also couldn’t speak English at all) to lead me finally to the place I wanted to go – the Golestan Palace in Teheran – with another “Collectible”. He was all similing, because he helped me and I was happy, to have met somebody who was soo kind.

The first hours in Iran where vicarious for the whole journey, which lead me from Teheran over Shiraz to Esfahan. Everywhere people helped me. All over Iran people where hospitable, friendly and curious about me, invited me at home, for dinner or lunch, gave me presents… Even though we asked eachother some strange question (e.g. some Iranians asked me: Do you really believe, that the Holocaust took place?) it was enriching, made me hungry to go their again. Definitly on of my best trips this year…

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Reisetagebuch Iran 2018

Ich wollte Reisetagebuch schreiben, aber hab es zu nicht mehr als ein paar Zeilen geschafft:

Ich habe mich die letzten beiden Tage oftmals gefragt, warum ich am Morgen des Tages, an dem ich den Flug in Iran gebucht habe, aufgestanden bin und unmittelbar – als gäbe es keinen Zweifel, keine Alternativen – Iran gewählt habe. Ja, ich wollte – gewissermaßen als Abschluss meiner temporären Arbeitslosigkeit und als Belohnung für meinen neuen Job – eine Reise unternehmen. USA. Thailand. Aber Iran? Ich hatte mich nie zuvor mit diesem Land beschäftigt, etwas über seine Kultur oder Menschen gelesen, mich näher informiert. Stattdessen war ich mit Vorbehalten behaftet. Religionsführer. Muslime. Terrorstaat. Kopftücher. Wüste. Öl. Schlagworte, die das Bild von Iran in der aktuellen politischen Wahrnehmung prägen. Natürlich war dort eine andere Seite von Iran, wahrscheinlich diejenige, die eingebrannt war in mein Herz, die sehnsuchtsvolle Suche nach Persien.

Persien. Entgegen der Vorbehalte gegen den Iran, ist das vormalige Persien – ein Land das nur noch als historische Größe existiert[1] und als Vorgängerstatt des jetzigen Iran, mit vielen positiven Eindrücken verbunden. Nachtigallen, prächtige Gärten mit Damaszener Rosen, und duftenden Limonen, melancholische Gesänge, Miniaturmalerei und Kalligraphie.

Ankunft in Theran

Die Anreise über die Türkei ist problemlos. Vorherige Berichte, dass eine Einreise – trotz elektronisch beantragtem Visa – am Flughafen Kohmeni sehr lange dauern soll, haben sich nicht bestätigt. Im Gegenteil. Da man Touristen nicht kostenlos von der staatlichen Gesundheitsvorsorge profitieren lassen möchte, ist eine Krankenversicherung nachzuweisen oder am Flughafen kurzfristig zu erwerben. Selbst dieses Schriftstück meiner Krankenkasse – immerhin in Englisch verfasst – wurde bedenkenlos akzeptiert. Herzlich willkommen in Iran.

Die üblich dahingenuschelten Anfragen, ob man denn ein Taxi benötige habe ich weltmännisch ignoriert und lächelnd mit einem ‚Thank you‘ abgetan. Zehn Minuten später saß ich in einem bemitleidenswerten Peugeot aus dem Jahr 1992, dessen Zustand selbst mir mit meiner technischen Unkenntnis, ein mildes Lächeln auf die Lippen zauberte, als ich an deutsche TÜV-Gutachter dachte. Mein Fahrer, Mohammed, konnte Euro zu einem angemessenen Kurs in Iranische Rial tauschen und wollte mich für 20 Euro in mein Hotel fahren. Das schien mir beides komfortabel und preislich angemessen, zumal ein großes Suchen ausblieb, Mohammed mich unmittelbar ins Parkhaus bugsierte und wir binnen weniger Minuten das Geldgeschäft am Steuer erledigt hatten. Ich bekam ‚Checks‘ von denen ich zuvor zwar bereits gehört hatte, die mich jedoch in einer solchen Situation misstrauisch stimmten, so dass mein ersten Weg im Hotel an die Rezeption führte, um dort problemlos einen ‚Check‘ in kleinere Scheine zu tauschen. Das Mohammed im weitesten Sinne eine ehrliche Haut war, wurde mir jedoch auch schon im Laufe unserer Fahrt bewusst. Germany good! Ein Satz den ich sinngemäß in den kommenden Tagen öfter hören würde. Mohammed erzählte von seiner Karriere bei der iranischen Polizei, seiner vorzeitigen Pensionierung, den Kindern, der Frau usw. Alles wohlgemerkt während unserer Taxifahrt vom Flughafen ins Hotel, fünf Uhr morgens im beginnenden Teheraner Verkehrschaos, das mir mit seiner tönenden Vielfalt an Hupen, spontaner Spurvermehrung und der Missachtung jeglicher – selbst im Iran offensichtlich angezeigter – Verkehrsregeln, noch Schweißperlen auf die Stirn treiben würde. Diese erste Phase der Irritation, die ich unter der Kategorie Andere Länder, andere Sitten verbuchte, wischte Mohammend über das Telefon um mir Kinder, Fotos in Uniform und seiner Frau zu zeigen. Wie die meisten Gespräche, führte auch meines ersten Gespräch im Iran zur Politik. Die Einigkeit der Iraner über die Unfähigkeit ihrer Regierung war ein gemeinsamer Nenner, der sich in den kommenden Tagen herauskristallisieren würde. Je nach Bildung, sozialer Stellung oder grad der politischen Korrektheit in diversen Varianten vorgetragen. Eine Aspekt, den mir Mohammed als ein Vertreter einer einfachen Arbeiterschicht, als erster – wenn auch nicht als einziger – eröffnete, war der, dass das derzeitige Staatsoberhaupt kein Arier sei, sondern Araber. Ich war erstaunt, auch wenn diese Sicht lediglich die kulturelle Vielfalt dieses Landes offenbart. Die persische Sprache wird beispielsweise den indogermanischen Sprachen zugeordnet, ist somit dem Deutschen näher als dem Arabischen. Die Islamisierung der arabischen Eroberer und die frühe Spaltung des Islam in Sunnitische und Schiitische Moslems, gepaart mit einem stark ausgeprägten nationalen Bewusstsein, sind der Boden auf dem die Saat der Abneigung gegen die Araber gedeiht.

Ein Check-In im Hotel um sechs Uhr morgens erschien selbst mir als zu ambitioniert, so dass ich gar nicht erst den Versuch unternahm zu fragen, sondern lediglich mein Gepäck unterstellen ließ um mich dann zu Fuß auf den Weg Richtung Golestan-Palast zu machen. Ich hatte von Sammeltaxis gelesen, in die man einsteigt um sich in eine grobe Richtung bringen zu lassen. Keine fünf Minuten später saß ich in einem ebenso reparaturbedürftigen Fahrzeug, wie jenem, dass mich vom Flughafen zum Hotel brachte. Der Fahrer schien verstanden zu haben, wo ich hinwollte. Ob er mich dort hinbrachte, die Preisfrage: Ungeklärt. Nach einigen Minuten hatten wir ausgemacht, dass der Golestan-Palast, ein vormaliger Herrschersitz inmitten des Teheraner Zentrums, nicht durch ihn unmittelbar angesteuert wird, er mir aber einen Transport organisieren würde. Kurze Zeit später, nach lauthalsen Diskussionen zwischen meinem Chauffeur und einem jungen Fahrer, der uns schreiend Anbot, mich für „25“ zum Golestan zu bringen, ich ablehnte, saß ich kurze Zeit darauf gedrängt mit zwei weiteren Fahrgästen in einem weiteren Sammeltaxi. Über die Fahrtüchtigkeit der iranischen Automobile würde ich mich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr wundern, sondern nur noch Taxis europäische Qualität wohlwollend zur Kenntnis nehmen. Man hatte mich einem jungen Mann an die Hand gegeben, der offenbar auf dem Weg zur Arbeit, eine ähnliche Richtung einschlug. Genaueres wusste ich noch immer nicht. Er konnte oder wollte kein Englisch mit mir sprechen, so dass ich mich zunächst treuherzig an seine Seite schmiegte um ihm dann zu Fuß zu folgen. Ohne Erklärungen. Als Dank für seine Begleitung bis dahin, die Taxifahrt zu zahlen lehnt er ab. Gab ich dem ersten Fahrer 100T Rial für eine Strecke von wenigen Minuten, zahlte ich im zweiten Sammeltaxi den Einheimischen-Preis: 40T Rial. Weniger als einen Euro.

Mein zweiter iranischer Führer war Beamter im Ministerium für Finanzen, einem riesigen Verwaltungskomplex in unmittelbarer Nähe zum Golestan-Palast. Ein freundlicher Hinweis meinerseits, dass ich ihn nicht als Touristenführer missbrauchen möchte und er mir nur die Richtung zeigen möge, wurde mit einem unverständigen Lächeln abgetan. Nicht, weil er es als unhöflich empfunden hätte, sondern vielmehr aus der Peinlichkeit heraus mich nicht verstanden zu haben.

Der Golestan Palast

Mein erster Tag in Teheran begann sehr früh am Morgen. Auch wenn die Strecken in Teheran lang, teils unwegsam sind und der Verkehr sehr dicht und stillständig, so war ich bereits acht Uhr am Palast. Dieser liegt in unmittelbarer Nähe zum Basar und nachdem mir ein freundlicher Wachmann eröffnet hatte, dass vor neun Uhr keine Besichtigung möglich wäre und meine Frage ob es denn in der Nähe ein Café gebe, wo ich die Zeit überbrücken könne mit einem Achselzucken und schließlich einem zögerlichen Nein beantwortet wurde, erforschte ich die Umgebung. Glücklicherweise war der Teheraner Basar nur wenige hundert Meter entfernt. Dort hoffte ich zumindest einen Kaffee zu bekommen.
Die Welt des Basars ist für mich, als europäisch geprägter Tourist, eine Eigentümliche. Sie ist faszinierend, nervtötend, unwirtlich, kosmisch, ….. Der Theraner Basar ist einer der größten der Welt. Angeblich arbeiten dort 100.000 Menschen täglich. Allein diese Größenordnung veranschaulicht die schiere Unerfassbarkeit dieses Ortes. Wahrscheinlich kann man alles erdenkliche dort erstehen, vom luxuriösen Auto, über Feuerholz, Kaviar, Kochtöpfe bis hin zu Zitronen. Auch wenn mein erster Kontakt mit diesem Übermaß an Fläche, Menschen und Angebot in die Phase des Erwachens fiel und langsam blecherne Rolltore hochgezogen wurden, Holzläden aufklappten und eifrige Bazaris ihre Waren auslegten, -hingen, drappierten, auch wenn als dieser Tagesbeginn ein friedlicher war, konnte er dennoch meine Begeisterung für dieses Ort nicht aufrechterhalten. Nach dem Palastbesuch konnte ich mehr als eine Stunde konsequent südwärts gehen, ohne einmal nach links oder rechts abgebogen zu sein. Ich hatte den Basar, das Treiben in den Gassen, die Enge der vorbeiziehenden Waren nicht verlassen. Eine einzige Richtung, ohne Abbiegen, eine Stunde. Ich war schockiert, trat unmittelbar den Rückweg an und betrat den Teheraner Basar nicht noch einmal.

Zugfahrt

Der letzte Tag in Teheran war ein eigenartiger. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ein muslimischer Freitag einem christlichen Innenstadtsonntag gleichkommt. Tatsächlich hatten die meisten Geschäfte geschlossen, der Verkehr war weniger haarsträubend und in einigen Seitenstraßen herrschte Ruhe. Das Ziel ein Viertel aufzusuchen, in dem vornehmlich kunsthandwerkliche Läden, Antiquitäten und ähnlich gehandelt werden sollten, war entsprechend nicht von Erfolg gekrönt. Hier und da hatte vereinzelt ein Geschäft geöffnet, aber das quirlige Leben fehlte mir.
Anders am Hauptbahnhof. Entgegen meiner sonstigen Reisegewohnheiten, die eher komfortorientiert sind, als auf Erlebnis getrimmt, hatte ich bereits in Deutschland eine Zugfahrt gebucht. Von Teheran sollte es unmittelbar mit dem Nachtzug nach Shiraz gehen, die Stadt der Limonen, des Dufts und der Nachtigallen.
Sollten man Bahnfahrten in Deutschland, zu Beginn der 90er Jahre in Erinnerung haben, so kann man sich in ungefähr die iranische Bahnfahrt 2018 vorstellen. Alles ist vorhanden, die Plätze systematisch gebucht, die Abteile sauber und mit Betten ausgestattet. Entgegen den deutschen Knausrigkeit stehen in iranischen Zügen Thermoskannen mit Tee und Gebäck bereit, alles hat die Atmosphäre eines Besuchs bei Oma. Getränke werden gereicht, Snacks vorbeigebracht und schließlich das Abendessen – wenige galant in Styropor – ins Abteil gebracht. Für die Nacht werden Laken gebracht, die die Sitzbank umhüllt, das Gefühl eines Bettes imitieren und schließlich Rosenbedruckte Decken und Kissen umschlagen, so das ein ersprießliches Nachtlager entsteht.
Gänzlich ohne Komfort wollte ich dann allerdings doch nicht auskommen, und statt eines Einzelsitzplatzes in einem Viererabteil buchte ich mir vier Plätze in einem Abteil, so dass ich das gesamte Abteil für mich allein hatte. Der Kontakt zu den Mitreisenden blieb dennoch nicht aus. Vier vergnügliche iranische Damen hatten sich in dem Abteil breit gemacht, das ich als meines erachtete. Auf meine Fahrkarte verweisend, versuchte ich sie davon zu überzeugen, dass ich hier doch offenbar richtig sei. Die Rädelsführerin gab mir unmissverständlich zu verstehen, dass ihr die Schrift zu klein sei. Da das Handling mit sperrigem Gepäck in engen Zügen überall auf der Welt eine Herausforderung seines gleichen ist, parkte ich mein Gepäck in Abteil 2, während ich mich nochmals den Damen in Abteil 3 zuwandte. Weiterhin ohne Erfolg. Die Lösung bestand wie so oft in diesen Tagen in der Suche nach jemandem der mein Anliegen halbwegs auf Englisch verstand und ein paar Dinge in die Hand nahm. Eine junge Perserin aus Abteil 5 war willens sich meines Problems anzunehmen, konnte den Damen vermitteln dass ihre Plätze in Abteil 4 waren. Das heitere Teetrinken wurde unterbrochen, die Gäste aus Abteil 2 waren inzwischen auch eingetroffen, ein indischer Turbanträger, ein älteres iranisches Ehepaar und ein älterer Herr. Alle waren irritiert über den Koffer in ihrem Abteil und räumten ihrerseits nun ihr Gepäck in mein Abteil. Die junge Perserin war jedoch resoliut genug alle an ihren Platz zu verweisen, die Damen entschuldigten sich noch mehrmals, tauschen Tee und Gebäck aus ihrem Abteil aus und so konnte die Reise pünktlich beginnen. Auch wenn die Strecke von Teheran nach Shiraz kein Katzensprung ist, bin ich mir unsicher inwiefern 16 Stunden Reisezeit angemessen sind.

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Rudolf Borchardt

Rudolf Borchardt: Gesammelte Werke – Gedichte, hrsg. von Gerhard Schuster und Lars Korten – Textkritisch rev. und erw. Neuedition – erw. Auflage 2003
ISBN: 978-3-608-93574-5

Kürzester Tag

In eine Winterfrühe hebst du dich,
So hingegeben in den Stundenschlag
Wie einer Jugendliedern lauschen mag,
Und lauschend nicht mehr hört, und tief in sich
Die alten Augen wendet bitterlich:
Nun ist doch Morgen, und das Licht wie zag!
Am Himmel steht der hoffnungslose Tag
Im Unsichtbaren unerschütterlich.

Es ist nicht schwer, von Tischen aufzustehen,
Wo alle Becher umgeworfen sind
Und wüste Decken in die Nachtluft wehen –
Es ist beinahe leicht, durch diesen Wind
Und nun durch diesen ersten Schnee zu gehen!
Du fühlst dein Herz nicht mehr und bist wie blind.

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Zum MZ-Artikel: Millionen für das Stadtbad

Der Neubau der Kulturstiftung des Bundes in Halle
(Quelle: https://www.kulturstiftung-des-bundes.de)

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich über alle Maßen, sollte das Stadtbad in naher Zukunft, mit neuem Konzept und frisch saniert, ein weiterer Wohlfühl-Baustein in unserer Stadt werden. Dennoch gibt es ein Kümmernis: In den letzten Jahren hat der Bund seine Kulturförderung deutlich ausgebaut. Ausgehend von einem staatlichen Anteil von unter 1,5% Prozent im Jahr 1985, beträgt der Anteil mittlerweile knapp 15%.[1] Das ist erfreulich, da mehr Kultur – gerade in Zeiten wie diesen – auch ein Mehr an Teilhabe und Bildung bedeuten kann.

Jedoch sollte diese Aktivität des Bundes auch mit einer gewissen Skepsis bedacht werden. Vielleicht mit einem Gefühl, wie es kinderreiche, hart arbeitende Eltern empfinden, wenn ein begüterter Onkel von Zeit zu Zeit vorbeikommt und auf den mühsam mit Brot gefüllten Tisch Schokolade und kostbare Desserts stellt. Den Kindern mag so etwas natürlich Spaß machen, die Eltern aber ärgern sich und meinen vielleicht, statt spektakulärer, seltener Extras hätte uns der Onkel oder die Tante auch mehr Geld zur Aufbesserung der täglichen Hausmannskost geben können.

In der Sprache der Politik: es stünde dem Bund auch frei, die Länder und Kommunen in die Lage zu versetzen, mehr (noch mehr!) für Kunst und Kultur zu tun. In deren sinkende Finanzierungsanteile sprang der Bund nämlich ein. Statt das grundlegende Subsidiaritätsprinzip des Grundgesetzes zu beachten, ein Prinzip, nach dem die übergeordnete staatliche Ebene nur solche Handlungen vornehmen sollte, zu deren Wahrnehmung die untergeordnete Ebene nicht in der Lage ist, herrscht fröhliche Gebieterlaune. Selektiv bestimmt der Bund welches Gericht auf dem Tisch steht.

Das ist auf verschiedene Weise bedenklich. Zum einen gilt es mit einer Förderquote von 50% nun für die Stadtwerke einen ebenso großen Anteil in Höhe von 13 Millionen Euro zu finanzieren. Da der Staatssekretär für Kultur in der Staatskanzlei (Schellenberger) eingebunden war, kann man nur hoffen, dass ein erklecklicher Anteil dieser Summe vom Land übernommen wird. Die Stadt Halle dürfte finanziell ächzen.

Aber insbesondere strukturell sollte man eine sich zunehmend zentralisierende Kulturpolitik hinterfragen. Deren Fähigkeit flächendeckend Originalität, Spontaneität, kritischen Geist sowie Erneuerungswille und formales Experiment aufrechtzuerhalten, bezweifle ich. Die Freude im Herzen wird so durch einen Wermutstropfen getrübt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Ingo Herrmann


[1] Vgl. Statistisches Bundesamt: Kulturfinanzberichte, o. J., im Internet verfügbar unter www.destatis.de, der aktuellste: http://miz.org/downloads/dokumente/946/2018_Kulturfinanzbericht.pdf.

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Rasender Stillstand

Michael Krüger

Wir haben es kommen sehen,
das rasende Gewitter,
wie es von Süden her
das Wasser aufmischte
und die letzten Boote vertrieb.
Eben noch saßen wir,
wie erstarrt in der eigenen Ohnmacht,
unter den sesshaften Bäumen
und hörten dem Specht zu,
wie er seine öden Traktate
in die Rinde der Ulme hämmerte.
Dann zeigte der Blitz uns die Zeit,
und der Donner hielt sie an,
bis der Regen wieder nachließ.
Nach dem Gewitter kamen die Mücken
in dichten Geschwadern,
diesen Krieg kann keiner gewinnen.

Quelle:

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Dienstag, 29. Oktober 2019, Nr. 251, S.11

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Zwerge

Text: Helge Schneider (Melodie: Im Frühtau zu Berge)

Im Frühtau die Zwerge, sie gehn, fallera,
sie taumeln, sie schwanken und sie gröhl’n, fallera,
ja seht wie krumm sie laufen, denn gestern war’n sie saufen,
ihr kennt das, ihr wart das ja auch schon mal.

Vom Freibier die Zwerge, sie kommen, trallalla,
zu einer andern Kneipe woll’n sie ziehn, rummtata,
sie sind grad rausgeflogen, weil sie sich nackt auszogen
der Suff macht sie alle pervers, tütata.

Im Frühtau die Zwerge, bleib’n stehn, lallalla,
sie kotzen in die Büsche und die Seen, rummsassa,
was soll man dazu sagen, sie könn‘ halt nix vertragen,
naja, Zwerge sind nunmal blöd, fallera.

Als pdf zum Download: Hier.

Quelle: YouTube

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Im Wald des Langen Wartens

Charles d’Orléans:

Sein Herz war schwarz gekleidet
Im Wald des Lan­gen Wartens
Vom Schicksalswind, dem harten
Gepeitscht, seh ich, wie’s Bäume bricht,
Doch keinen Weg und Pfade nicht
Für meinen Schritt, den schmerzerstarrten.

Einst sah ich Freude aller Arten,
Die Jugend schenkte mir die zarten
Genüsse – jetzt: kein Funken Licht
Im Wald des Langen Wartens.

Das Alter sagt, mit seinen Martern:
Du hast kein Recht mehr, keine Karten
Im Spiel, vorbei! ruft sein Gericht,
Sind Tage, Monat’, Jahre schlicht:
Sei dir genug, lass all die Fahrten
Im Wald des Langen Wartens.

Im französischen Original:

En la forest de Longue Actente

En la forest de Longue Actente,
Par vent de Fortune dolente
Tant y voy abatu de bois
Que sur ma foy je n’y congnois
A present ne voye ne sente.

Pieça y pris joyeuse rente:
Jeunesse la payoit contente;
Or n’y ay qui vaille une nois,
En la forest de Longue Actente.

Viellesse dit, qui me tourmente:
«Pour toy n’y a pesson ne vente
Comme tu as eu autresfois;
Passez sont tes jours, ans et mois:
Souffize toy et te contente
En la forest de Longue Actente.»

Aus dem Französischen von Ralph Dutli

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01. Juni 2019, S. 18; siehe auch: Frankfurter Anthologie sowie Ralph Dutli

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Jaques Durand

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Phoinix und Odysseus beim grollenden Achilles

Wie er da auf seinem Stuhl hockt. Ein Häufchen Elend. Alles hängt an ihm – Schultern, Kopf, der ganze Körper. Der Blick gesenkt, die Augen geschlossen. Sein Gewand umhüllt ihn gänzlich, nur das Gesicht ist zu sehen und die nackten Füße. Und ein Ohr, das unter dem Tuch hervorlugt. Seinen Helm hat er buchstäblich an den Nagel gehängt. Friert der Mann? Oder versteckt er etwas? Zorn sieht jedenfalls anders aus, also kann das doch nicht Achilles sein da auf dem Stuhl. Achilles mit seinem von der Göttin besungenen Zorn. Der da zürnt nicht, der schmollt – würden wir Heutigen sagen. Aber warum bloß schmollt Achilles? Denn es ist ja Achilles, der größte der griechischen Helden. Was ist sein Problem?

Phoinix und Odysseus beim grollenden Achilles –
Abbildung auf einer Vase aus dem fünften Jahrhundert vor Christus, die in der Basilikata gefunden wurde – © bpk/Antikensammlung, SMB

Das scheint sich auch der Mann zu fragen, dessen wache Augen auf der Jammergestalt da vor ihm ruhen. Er ist ein Bild von einem Kerl – nackt, muskulös, keck ragt sein Penis zwischen den kräftigen Schenkeln empor. Das ist Odysseus. Entspannt sieht er aus. Sein Blick ist zwar etwas ratlos, aber durchaus aufgeschlossen. Zurückgelehnt sitzt er da, die Hände am linken Knie, Hut und Mantel lässig in den Nacken geschoben. Irgendwie scheint Achilles ihn zu amüsieren. Dieser dumme Streit mit Agamemnon – müsste man doch lösen können. Das ganze Drama, Baby, bloß wegen dieses Mädchens? Echt jetzt? Ganz links sitzt übrigens Phoinix, noch ein griechischer Held. Er dreht der Szene eigentlich schon den Rücken zu, seine Haltung drückt aus, dass er mit Achilles längst die Geduld verloren hat. Vergiss es doch, Odysseus! Lass den Burschen schmollen. Gleich wird Phoinix aufstehen und gehen. Und dann auch Odysseus. Und Achilles wird seinen Sitzstreik fortsetzen.

Schuld ist Agamemnon, der Heerführer der Griechen, denn der hat veranlasst, dass Achilles etwas weggenommen werden soll, weil er, Agamemnon, auch etwas hergeben musste. Es geht also um Beute, um Frauen, die man als griechischer Held halt so zusammengeraubt hat. Achilles benimmt sich allerdings äußerst unheldisch. Seine Freunde sterben reihenweise, die Griechen stehen am Rande der Niederlage. Zehn Jahre Krieg gegen die Trojaner, bekanntlich auch wegen einer Frau, und jetzt scheint das Ende gekommen zu sein. Allerdings das der Angreifer. Die Griechen sind so gut wie erledigt. Und Achilles? Hockt in seinem Zelt und hält sich einfach raus. Kindisch beharrt er auf seinem Recht. Aber Achilles ist eben auch eins. „Kind, warum weinst du?“, hatte ihn die Mutter Thetis gefragt, als ihr Sohn weinend am Ufer Troias saß, untröstlich wegen der Kränkung, die ihm durch den fiesen Agamemnon widerfahren war. Und Apollon seufzte im 24. Gesang der Ilias, dass dem Achill „die Sinne nicht gebührlich sind noch auch das Denken biegsam ist in der Brust“.

Nein, biegsam ist unser Held wirklich nicht. Die moderne Tugend der Kompromissfähigkeit liegt ihm ziemlich fern. Achilles ist der Archetypus des Leistungsträgers im Modus der kompromisslosen Leistungsverweigerung. Davon zeugt unser Krug hier im Saal 5. Der Museumskatalog weist ihn aus als ein Beispiel attisch-rotfiguriger Keramik von 490 vor Christus, dem Jahr der Schlacht von Marathon. Bemalt hat ihn der „Maler aus Florenz“ – der heißt so, weil eine weitere ihm zugeschriebene Vase im Archäologischen Museum von Florenz steht. Gefunden wurde der Krug allerdings bei der kleinen süditalienischen Gemeinde Castelluccio. Wahrscheinlich stammte er ursprünglich aus einem etruskischen Grab. Einem österreichischen Offizier ist es zu verdanken, dass der Krug heute in Berlin ist: Franz von Koller, der 1821 mit der kaiserlichen Armee in Neapel einrückte und dort als General- Intendant für die Durchsetzung der Herrschaftsansprüche der Habsburger sorgte. Koller nutzte seinen mehrjährigen Dienstposten zum Aufbau einer prächtigen Sammlung antiker Vasen, die dann 1828 von König Friedrich Wilhelm III. (der mit der Luise) gekauft wurde und damit ins sogenannte Spree-Athen kam. Der Krug ist eigentlich ein Kalpis, also eine bauchige Sonderform der Hydria. Ein schlichtes Gefäß, etwa vierzig Zentimeter hoch, dickbauchig, kaum Gebrauchsspuren. Sicher kein Meisterwerk, es gab viel talentiertere attische Vasenmaler.

Wenn wir einen Schritt zurücktreten, kommt auch gleich sein grandioser Kontext in den Blick. Die Vitrine ist mit sechs weiteren Gefäßen, Schalen und Krügen gefüllt. Von links nach rechts erzählen sie die Geschichte des Trojanischen Krieges. Gerne benutzte man solche Gefäße bei den Symposien. Man trank, sang und schaute auf Szenen aus der Zeit der Helden. Große Kämpfe und noch größere Sieger. Solche Sachen eben, herzstärkend, Mannesruhm. Aber was empfanden diese Zecher wohl beim Anblick eines schmollenden Helden unter seiner Schmusedecke? War das nicht eine ziemlich peinliche Nummer, die Achilles da abzog? Was gefiel trinkenden Polis-Bürgern, die als Hopliten gerade erst bei Marathon das Heer der Perser geschlagen hatten, nur an dieser Szene?

Die Ilias beginnt mit dem Wort „menis“ – Zorn. Joachim Latacz schreibt im Basler Gesamtkommentar zur Ilias, „menis“ bezeichne einen „chronischen Entzürntheitszustand“. Der gängige „Zorn“ sei dafür gar keine angemessene Übersetzung. Latacz schlägt stattdessen Groll vor. Der sei anhaltender, weniger Wut, mehr Frust. Der frisst sich in einen rein, köchelt vor sich hin, Zorn essen Seele auf. Nichts kann Achilles motivieren, wieder mitzumachen. Nicht einmal die schmeichelnden Worte des Odysseus. Die Szene auf der Vase lässt uns an diesem Meeting im neunten Gesang der Ilias teilnehmen, der sogenannten Presbeia, auf Deutsch „Gesandtschaft“. Odysseus und Phoinix wurden von den Führern des griechischen Heeres zu Achilles geschickt, um ihn zu motivieren, doch wieder mitzumachen. Dieser Bittgang der stolzen Helden wird ganz plötzlich ein beliebtes Motiv der attischen Vasenmaler im frühen fünften Jahrhundert vor Christus, man findet ganz ähnliche Darstellungen in Rom, im Louvre oder im Britischen Museum.

Die Grundkonstellation der Szene ist immer gleich. Der eine – Achilles – sitzt und grollt, der andere – Odysseus – steht und redet. Während Achilles ganz Emotion ist, ist Odysseus ganz Verstand, Ratio und Überlegung, die ihm Überlegenheit gibt. Der eine hat Argumente, dem anderen geht es um Anerkennung seiner archaischen Ansprüche. Der coole Odysseus will das griechische Projekt retten, Achilles seine Ehre. In der Ilias ist Odysseus der „Vielduldende“, ein Held mit hoher Frustrationstoleranz und kommunikativer Geschmeidigkeit. Was Achilles völlig mangelt, fällt seinem Gegenspieler überhaupt nicht schwer: Affektkontrolle.

Aber Moment – da gibt es noch diese Szene auf einer Vase von 510 vor Christus links hinten in der Vitrine. Es handelt sich um die Opferung der Polyxena, der Tochter des Priamos und der Hekabe. Im Britischen Museum gibt es eine ältere und auch viel drastischere Darstellung desselben Motivs. Dort wird Polyxena von den Griechen einfach abgeschlachtet – Achilles’ Sohn Neoptolemos schneidet ihr über dem Grab des Vaters brutal die Kehle durch. Müssen wir uns also spätestens jetzt erschrocken fragen, ob unser Altes Museum etwa Objekte mit Gewaltverherrlichung zeigt? Natürlich zeigt es solche. Und bewundern sollen wir sie auch noch! Na und? Wir verzieren zwar nicht unsere Vasen mit Gewaltdarstellungen, aber unsere Bildschirme und Kinoleinwände sind doch voll davon. Insofern beweist uns die Vitrine im Saal 5 nur das Kontinuum der Vermählung von Schönheit und Gewalt in der Geschichte der menschlichen Selbstdarstellung.

Da wäre es also, das Eigene im Fremden. Aber wie das so ist mit den Dingen – sie lassen sich nicht festlegen, ihre Sinnangebote bleiben zwiespältig. Man kann genauso das Fremde in ihnen betonen, ihren rätselhaften Eigensinn, hier den „glücklichen Bellizismus“ der alten Griechen, zu dem uns laut Peter Sloterdijk kein unverfälschter Zugang mehr offensteht. Die Ilias feiere die Verschmelzung der Begriffe Krieg und Glück. Gewalt ist schön. Und Achilles’ Zorn, der sie befeuert, mache in der Presbeia-Szene nur eine Pause, so Sloterdijk, bevor er wieder hervorbreche und erneut die Herrlichkeit seiner Taten und Werke erstrahlen lasse. Folglich galt der „Tod im Kampf, in der – möglichst unversehrten – Vollblüte der Jugend“ den Griechen auch als der schönste Tod, so der Althistoriker Christian Meier. Die menschliche Existenz sei für die Griechen aufs engste mit dem Tod verquickt. Das Sterben in der Schlacht hat bei ihnen auch keinen Sinn, der auf irgendetwas anderes hinausweisen würde. Man tut, was man muss, aber das wenigstens in „heroischen Ausmaßen“.

Wir nennen das archaisch – und müssten dann eigentlich erst recht befremdet sein. Das sind doch nicht mehr wir. Allerdings kämpfen Achilles, Odysseus und Phoinix auf unserer Vase gar nicht. Die wollen doch nur sitzen und reden. Jedenfalls Odysseus. Aber nirgends in der Ilias wird Achilles von Homer so beschrieben, also mit der Decke überm Kopf und dem Herzen voller Groll. Als Odysseus und seine Begleiter im neunten Gesang das Zelt von Achilles betreten, springt dieser bei Homer vielmehr erfreut auf, wirft die Laute weg und begrüßt seine Freunde voller Freude. Es wird natürlich reichlich getrunken, behaglich knistert das Feuer, man sitzt und schmaust, und erst dann beginnt das Palaver. Und Achilles? Geht auf alle ein, antwortet seitenlang, argumentiert, verteidigt sich – kurz: Vom verstockten Groll des Peleiaden im Sitzstreik kann im neunten Gesang der Ilias keine Rede sein. Aber woher stammt die beliebte Szene dann?

Die Historikerin Brigitte Knittlmayer vermutet, dass das eigentliche Vorbild der Szene gar nicht die Ilias ist, sondern eine viel jüngere Quelle: Nämlich das 490 uraufgeführte Drama „Die Myrmidonen“ von Aischylos, das leider nur in Fragmenten überliefert ist. Auch da geht es um die Presbeia, doch mit einem entscheidenden Unterschied: Achilles tritt dort zu Beginn auf – und dann setzt er sich, zieht sich den Mantel über den Kopf und schweigt. Denn bei Aischylos geschieht etwas Unerhörtes: Ein anderer Achaier, dessen Name nicht überliefert ist, droht Achilles die Steinigung durch das Heer an, sollte er bei seiner als Verrat aufgefassten Weigerung bleiben, für die Griechen wieder in den Kampf zu ziehen. War es vielleicht Odysseus, der in unserer Vasen-Szene diese Drohung gerade ausgesprochen hat? Knittlmayer jedenfalls sieht hier den Streit zwischen Individuum und Gemeinschaft aufgeführt. Die Gemeinschaft, verkörpert durch den beredten Odysseus, fordere von Achilles ihr Recht auf dessen Einsatz für das Wohl der Gesamtheit der Griechen. Dem Helden scheint diese Forderung die Sprache verschlagen zu haben. Verantwortung? Er, Achilles? Für die Gemeinschaft?

Solche Fragen sind natürlich nicht mehr der Gedankenhorizont eines Homers. Die Männer auf der Vase tragen die Namen der epischen Helden der heroischen Dichtung, aber sie führen die Gespräche der Bürger der athenischen Polis nach den Reformen des Kleisthenes vom Ende des sechsten Jahrhunderts. Im Zuge der von diesen Reformen ausgelösten Veränderungen der Bürgerschaft, so Knittlmayer, bildete sich die neue Vorstellung einer Öffentlichkeit von Gleichen, die von allen diesen Gleichen – also auch von den Adligen – Rechenschaft verlangen konnte über die Sozialverträglichkeit ihrer Leidenschaften und Interessen. Mehr Odysseus wagen und weniger Achilles? So ganz fremd war das den Helden des homerischen Epos ja nicht. Auch dort, so Christian Meier in seiner Studie zur Entstehung des Politischen bei den Griechen, betreibt eine Handvoll Adliger, Fürsten und Heroen Innenpolitik wie in einer Polis. Was wird in der Ilias nicht geredet – ständig geht es bei all den Versammlungen um die „ganze Not des Einschwörens Auseinanderstrebender auf ein Ziel“. Doch um 500 vor Christus ging es längst um mehr, jetzt musste sich unter diesen Männern die Bereitschaft durchsetzen, „Verantwortung nicht nur in Ausnahmefällen, sondern in der Regel der Politik wahrzunehmen, unabhängig davon, ob Anlass zur Erregung bestand“. Es war nicht mehr maßgeblich, dass Achilles eigentlich recht hatte in seinem Groll. Zorn war kein Argument mehr.

Zeigt unser Krug demnach die Domestikation des Helden zum Staatsbürger? So viel Eigenes hätte man auf einem 2500 Jahre alten Stück Geschirr doch gar nicht erwartet. Natürlich ist das sehr modern gedacht. Sind wir und Athen verflochten in einem Kontinuum von Gemeinsamkeiten? Solange die alten Dinge noch zu uns sprechen und wir ihre Sprache verstehen können, wäre es jedenfalls noch nicht ganz zerrissen. GERALD WAGNER

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Sonnen

Sonnen (ALMA)

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