Monthly Archives: Januar 2014

Günter Eich – Ende eines Sommers

Günter Eich

Ende eines Sommers

Wer möchte leben ohne den Trost der Bäume!

Wie gut, dass sie am Sterben teilhaben!
Die Pfirsiche sind geerntet, die Pflaumen färben sich,
während unter dem Brückenbogen die Zeit rauscht.

Dem Vogelzug vertraue ich meine Verzweiflung an.
Er misst seinen Teil von Ewigkeit gelassen ab.
Seine Strecken
werden sichtbar im Blattwerk als dunkler Zwang,
die Bewegung der Flügel färbt die Früchte.

Es heißt Geduld haben.
Bald wird die Vogelschrift entsiegelt,
unter der Zunge ist der Pfennig zu schmecken.

Leave a Comment

Filed under Poesie

Wer braucht denn schon Schneeketten?

Im Südtiroler Ultental - Ingo Herrmann

Ingo Herrmann, Ultental, Südtirol

Wie immer ohne Schneeketten ins Ultental gefahren. Skifahren. Und wie immer lief (fast) alles problemlos. Nur am Anreise-Tag war der Neuschnee so zahlreich, das ich den Berg nicht hochgekommen bin. Aber nicht verzagen: Einfach den Räumdienst abwarten und schon gehts weiter. Wer braucht denn schon Schneeketten?

 

Leave a Comment

Filed under Allgemein

Khalil Gibran – Von der Freundschaft

Khalil Gibran

Von der Freundschaft

Eurer Freund ist die Antwort auf eure Nöte.
Er ist das Feld, das ihr mit Liebe besät und
mit Dankbarkeit erntet.
Und er ist euer Tisch und euer Herd.
Denn ihr kommt zu ihm mit eurem Hunger,
und ihr sucht euren Frieden bei ihm.
Wenn euer Freund frei heraus spricht,
fürchtet ihr weder das „Nein“ in euren Gedanken,
noch haltet ihr mit dem „Ja“ zurück.
Und wenn er schweigt, hört euer Herz nicht auf,
dem seinen zu lauschen;
Denn in der Freundschaft werden alle Gedanken,
alle Wünsche, alle Erwartungen ohne Worte geboren
und geteilt, mit Freude, die keinen Beifall braucht.

 

Leave a Comment

Filed under Poesie