Monthly Archives: Juli 2017

Entwurf Statement Rationell Reinigen VR-FILM des BIV

In den vergangenen Jahren haben wir – gerade auf regionaler Ebene – das Thema Berufsorientierung massiv vorangebracht. Die Weichen in diesem Lebensbereich frühzeitig richtig zu stellen, heißt Langeweile, Routine und banale Frustration bestmöglich zu vermeiden, Abbrecherquoten zu senken, etc. Wer heute 14, 15 oder 16 Jahre alt ist, hat jedoch eine zerklickte Existenz zwischen Instagram, Snapchat und anderen Social Media-Realitäten. Im Modus Offline erreicht man eine zunehmende Zahl von Schülern nur noch schwerlich. Herkömmliche Instrumente zu forcieren und Social Media als piepsendes Pippifax abzutun wäre also fatal.

Gerade weil sich die Lage am Markt für Auszubildende dergestalt darbietet, dass weniger Auszubildende von mehr Unternehmen umgarnt werden, schafft ein positiver Impuls, z.B. mit einer VR-Brille und Kurzfilm einen Anker, der einen Aspekt der Entscheidung für oder gegen einen Beruf beeinflussen kann.

Sich auf die Oberfläche zu beschränken, wäre aus meiner Sicht jedoch nicht richtig. Natürlich ist dieser Film eine Spielerei! Genau darum geht es: Spaß zu haben, die Welt zu verändern und dabei Geld zu verdienen! Der Film bietet einen guten, knappen Einblick. Spannende Locations. Moderne Technik. LIKE!  Das allein wird jedoch nicht genügen, die Zahl der Auszubildenden bei uns zu erhöhen. Zwar sind Jugendliche schnell zu begeistern aber ebenso leicht zu enttäuschen. Der Weg ist richtig, mit neuem Webauftritt, zeitgemäßen Fotos, Apps und Videos, in die Lebensrealität derjenigen einzudringen, die die Zukunft der Branche gestalten. Aber auch Fragen zu Form und Inhalt der Ausbildung, Lernumgebungen, Prüfungsmodalitäten u.a. stehen für mich zur Debatte, ohne dabei das Ethos unseres Handwerks zu beschmutzen.

 

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Heinrich Heine – Die Wanderratten

Es gibt zwei Sorten Ratten:
Die hungrigen und satten.
Die satten bleiben vergnügt zu Haus,
Die hungrigen aber wandern aus.

Sie wandern viel tausend Meilen,
Ganz ohne Rasten und Weilen,
Gradaus in ihrem grimmigen Lauf,
Nicht Wind noch Wetter hält sie auf.

Sie klimmen wohl über die Höhen,
Sie schwimmen wohl durch die Seen;
Gar manche ersäuft oder bricht das Genick,
Die lebenden lassen die toten zurück.

Es haben diese Käuze
Gar fürchterliche Schnäuze;
Sie tragen die Köpfe geschoren egal,
Ganz radikal, ganz rattenkahl.

Die radikale Rotte
Weiß nichts von einem Gotte.
Sie lassen nicht taufen ihre Brut,
Die Weiber sind Gemeindegut.

Der sinnliche Rattenhaufen,
Er will nur fressen und saufen,
Er denkt nicht, während er säuft und frißt,
Daß unsre Seele unsterblich ist.

So eine wilde Ratze,
Die fürchtet nicht Hölle, nicht Katze;
Sie hat kein Gut, sie hat kein Geld
Und wünscht aufs neue zu teilen die Welt.

Die Wanderratten, o wehe!
Sie sind schon in der Nähe.
Sie rücken heran, ich höre schon
Ihr Pfeifen – die Zahl ist Legion.

O wehe! wir sind verloren,
Sie sind schon vor den Toren!
Der Bürgermeister und Senat,
Sie schütteln die Köpfe, und keiner weiß Rat.

Die Bürgerschaft greift zu den Waffen,
Die Glocken läuten die Pfaffen.
Gefährdet ist das Palladium
Des sittlichen Staats, das Eigentum.

Nicht Glockengeläute, nicht Pfaffengebete,
Nicht hohlwohlweise Senatsdekrete,
Auch nicht Kanonen, viel Hundertpfünder,
Sie helfen Euch heute, Ihr lieben Kinder!

Heut helfen Euch nicht die Wortgespinste
Der abgelebten Redekünste.
Man fängt nicht Ratten mit Syllogismen,
Sie springen über die feinsten Sophismen.

Im hungrigen Magen Eingang finden
Nur Suppenlogik mit Knödelgründen,
Nur Argumente von Rinderbraten,
Begleitet mit Göttinger Wurst-Zitaten.

Ein schweigender Stockfisch, in Butter gesotten,
Behaget den radikalen Rotten
Viel besser als ein Mirabeau
Und alle Redner seit Cicero.

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