Wisława Szymborska

Ein Beitrag zur Statistik (Wisława Szymborska)

Von hundert Leuten:

Besserwisser
– zweiundfünfzig,

unsicher auf Schritt und Tritt
– fast der ganze Rest.

hilfsbereit,
wenn es nicht zu lange dauert
– ganze neunundvierzig,

immer gutmütig,
denn sie können es nicht anders
– vier, na vielleicht fünf,
fähig zu bewundern ohne Neid
– achtzehn,

irregeleitet
durch die Jugend, die vergeht
– plus minus sechzig,

mit denen nicht zu scherzen,
– vierzig und vier,
die in ständiger Furcht leben
vor jemandem oder etwas
– siebenundsiebzig,

mit einer Begabung für das Glück
– höchstens über zwanzig,

einzeln ungefährlich,
wild in der Masse
– sicher über die Hälfte,

grausam,
wenn die Umstände sie zwingen
– das sollte man besser nicht wissen
auch nicht annähernd,

aus Schaden klug
– nicht viel mehr
als klug vor dem Schaden,

die dem Leben nichts abgewinnen außer Sachen
– dreißig,
obwohl ich mich gern irrte,

geduckt, leidend
und ohne Taschenlampe im Dunkeln
– dreiundachtzig
früher oder später,

gerecht
– ziemlich viele, weil fünfunddreißig,

wenn diese Eigenschaft sich verbindet
mit der Mühe zu begreifen
– drei,

bemitleidenswert
– neunundneunzig,

sterblich
– hundert von hundert.
Eine Zahl, die bislang unverändert bleibt.

 

1 Comment

Filed under Allgemein

One Response to Wisława Szymborska

  1. Wolfgang Friesel

    Ich spreche zwar kein Polnisch, aber ich habe die spanische Übersetzung gelesen und muss feststellen, dass die deutsche Übersetzung im Vergleich ziemlich schlecht abschneidet.
    Ist es im Übrigen nicht üblich,den Autor der Übersetzung anzugeben. Das scheint mir gerade bei Poesie nahezu zwingend.
    (Ich arbeite selbst als Übersetzer aus dem Englischen und dem Spanischen.)

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