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Schon den Wicht

Elke Erb

Mein Lieber,

Du bist kein reißender Wolf.
Schone den Wicht

Sie riskieren es nicht
Geh weg von dem Wicht

Sie gönnen dem Glück keine Stunde!

  1. 2. 13

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Rein­hold Au­mai­er

Feiner Herr

Hat mit dieser
grobschl(a)echtigen Welt
fast gar nichts mehr
am Hut

Hängt ihn an den Na­gel

Hebt innerlich ab

Und ist versch
wunderbarerweise
demnächst ein
Wolkerl im end
losen Blau

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Donnerstag, 19. Dezember 2019, Nr. 295, S. 9.

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Heinz Piontek

Heinz Piontek: Selbst, 1964; Aquarell, ca.1999 (Heinz Piontek – Archiv, Lauingen)

Die Furt

Schlinggewächs legt sich um Wade und Knie,
dort ist die seichteste Stelle.
Wolken im Wasser, wie nahe sind sie!
Zögernder lispelt die Welle.


Warten und spähen – die Strömung bespült
höher hinauf mir die Schenkel.
Nie hab ich so meinen Herzschlag gefühlt.
Sirrendes Mückengeplänkel.


Kaulquappenstrudel zerstieben erschreckt,
Grundgeröll unter den Zehen.
Wie hier die Luft nach Verwesendem schmeckt!
Flutlichter kommen und gehen.


Endlose Furt durch die Fährnis gelegt –
werd ich das Ufer gewinnen?
Strauchelnd und zaudernd, vom Springfisch erregt,
such ich der Angst zu entrinnen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Samstag, 14. Dezember 2019, Nr. 291, S. 16.

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Vögeln

Ich bin ein begeisterter Zeitungsleser. Ab und an. Erst recht jetzt, wo doch ePaper so angesagt sind. Das neue Windows 8. usw. Sobald ich in eine dieser Begeisterungsphasen eintrete, eröffnet sich mit jedem noch so kleinen Artikel, manch einer verschmäht sie als Randnotiz, mit jedem Leserbrief und jeder Kolumne eine kleine Welt voller neuer Kuriositäten. Dinge, denen man vor der Lektüre keine Aufmerksamkeit schenkte, erscheinen plötzlich in einem hellen Schlaglicht der Erkenntnis. So geschehen, hat mich ein Leserbrief in der FAZ vom 27.Oktober über die Novellierung des nordrhein-westfälischen Jagdrechts informiert. Ein Mühlheimer schildert darin seine ornithologischen Beobachtungen der letzten Jahre und führt aus, dass er vor wenigen Jahrzehnten eine Unzahl von Vögeln beobachten konnte, die er namentlich benennt, heute jedoch neben Amseln und Staren nur noch Elstern und Krähen vor die vögelversierte Beobachter-Linse bekommt.

Er scheint das nicht zu beklagen, niemandem einem Vorwurf zur machen, sondern führt einen Sachverhalt an auf den er diesen Umstand zurückführt: Das Jagdverbot auf Elster und Eichelhäher. Diese trieben seitdem ihr Unwesen, setzten die kleineren Singvögel (beide sind im Übrigen auch als Singvögel beschrieben) auf ihren Speiseplan und trügen entsprechend zur Verminderung der Vielfalt aktiv bei. Die einstmals unter Schutz gestellten veränderten so das bestehende Gefüge zu ihrem Vorteil und die früher beobachteten Neuntöter, Gimpel und Tannenmeisen verschwänden. Die Initiative zum Schutz von Elster und Eichelhäher führte der Briefeschreiber auf die Grünen zurück, die nun wiederum maßgeblich an die Novellierung des Jagdgesetzes wirken – klar, sie sind ja auch Regierungspartei.

Konnte jemand eine solche Entwicklung anderweitig wissenschaftlich nachweisen? Gibt es da eine Grundlage für die Behauptung die Ausbreitung der Elster und des Eichelhähers unterbinde die Verbreitung von anderen, kleineren Singvögeln? Ich weiß es nicht, nur das alles Wissen irgendwie veränglich erscheint. So war einstmals auch die Fuchsjagd eine angesehene Sache und ja, heute scheint insbesondere in Großstädten eine „Fuchsplage“zu herrschen. Im Wald dagegen eine Mäuseplage. Fressen Füchse nicht Mäuse? Haben wir aufgrund der Mäuseplage (=Nahrungsüberangebot) eine Fuchsplage? Die Stadtfüchse sind also nur die Kulturbeflissenen, die sich im städtischen Getümmel auf die Suche nach einer Abwechslung für den so einseitigen Speiseplan machen und – begeistert vom reichhaltigen städtischen Ambiente – ansässig werden? Nächste Woche bin ich zu einer Treibjagd irgendwo östlich von Halle (Saale) eingeladen. Füchse sind freigegeben. Soweit ich weiß gibt es dort aber auch eine Mäuseplage… Und noch was: Könnte mir gleich noch mal jemand erklären, warum man Rehböcke nur bis zum 15. Oktober schießen darf und Ricken bis weit in das kommende Jahr hinein?

Egal was politisch entschieden wurde: Gesetzgebungskompetenz ist nun einmal Gesetzgebungskompetenz, Entscheidungen müssen politisch getroffen werden und irgendein Lobbyverband wird schon noch eine Statistik aus der Tasche ziehen um einen weiteren Aspekt in den Fokus der Entscheider zu bringen. Bleibt nur zu hoffen, das jene die Kraft haben, auch eigene Fehlentscheidungen – falls es denn welche waren – in Frage zu stellen. Ich gehe jetzt mal zum Fenster: Erstaunlicher Weise sehe ich bei uns im Garten auch nur noch Kleiber und Meißen. Vielleicht sollte ich mehr Zeit am Fenster verbringen als vor Windows?

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Das Nashorn. Ein Kindergedicht. (Giwi Margwelaschwili)

Nein, Kinder, nein, ich bin nicht froh
Ein normales Nashorn steht im Zoo.
Ich aber steh auf dem Papier
Und frage mich, was soll ich hier.

Immer muss ich um mein Dasein beben.
Denn gelesen werdend leben
Ist sicher das Beschwerlichste
Und auch noch das Gefährlichste.

Was mach ich armes dickes Biest,
Wenn mich keiner liest?
Auf meinem miesen Zeilengrund
Streb ich noch am Leserschwund.

Ach, ich fürchte den Lesertod!
Drum, Kinder, hört mein Angebot:
Für mein Überleseleben
Möchte ich mich euch zum Reiten geben.
Doch dazu braucht es Phantasie
Kleiner Leser hast Du sie?

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Du, ich, der Abend

(Steffen Popp)

faseln von Liebe. Sein inneres Feuer. Tanzen ermüdet uns bald.
Im Korridor, auf einer abgestellten Couch, ein Leib, ein Geist
mit Eigenschaften, Vergangenheiten, die immer, immer ungenügend
auf Dich zeigen. Ich finde nicht Deine Schlafnamen, nur Schlaf
nicht Deinen Traum, hier nur gesprengte Außengelände, Boten
Märchengestaltige Chiffren, die in Kellern der Institutionen herrlichen
Stuck ergäben: genug, eine Kultur der Liebe darauf zu gründen.

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