Tag Archives: Frankfurter Anthologie

Schon den Wicht

Elke Erb

Mein Lieber,

Du bist kein reißender Wolf.
Schone den Wicht

Sie riskieren es nicht
Geh weg von dem Wicht

Sie gönnen dem Glück keine Stunde!

  1. 2. 13

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Heinz Piontek

Heinz Piontek: Selbst, 1964; Aquarell, ca.1999 (Heinz Piontek – Archiv, Lauingen)

Die Furt

Schlinggewächs legt sich um Wade und Knie,
dort ist die seichteste Stelle.
Wolken im Wasser, wie nahe sind sie!
Zögernder lispelt die Welle.


Warten und spähen – die Strömung bespült
höher hinauf mir die Schenkel.
Nie hab ich so meinen Herzschlag gefühlt.
Sirrendes Mückengeplänkel.


Kaulquappenstrudel zerstieben erschreckt,
Grundgeröll unter den Zehen.
Wie hier die Luft nach Verwesendem schmeckt!
Flutlichter kommen und gehen.


Endlose Furt durch die Fährnis gelegt –
werd ich das Ufer gewinnen?
Strauchelnd und zaudernd, vom Springfisch erregt,
such ich der Angst zu entrinnen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Samstag, 14. Dezember 2019, Nr. 291, S. 16.

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Thomas Kling – Das brennende Archiv

menschen gedenken eines menschen.
herz – brennendes archiv!
es ist erinnerung der engel;
erinnerung an alte gaben.
die formel tod, die überfahrt –
die wir zu übersetzen haben.

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Stephan Hermlin – Die Terrassen von Albi

Vor dieser Brücke und den Bastionen
Lacht Bacchus blind verleugnet Mauern an.
Er ist wie irr. Im gelben Fluß zu wohnen
Biegt rückwärts sich sein Fuß und sucht den Kahn,

Der trägt ihn in die Schluchten, wo das Drohen
Von Kathedrale und Palais erstirbt,
Wo Wälder sich, die ungeheuer-frohen,
Groß um ihn schließen, Mistral um ihn wirbt.

Der wilde Wein begleitend hat gelogen,
denn dies verging: der Wahn, die Ahnung, Glut
Von fremden Herzen, die man suchte. Flogen

Nicht heut noch wilde Tauben südwärts? Gut
Und übersetzbar sei, Fluß! Abendhell
Wachst du vom kahlen Hügel, Traumkastell!

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