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Die Douglasie

Die Douglasie

Die Aussicht auf einen sonnigen und klaren Dezembertag trieb uns in die Eifel. Eine geführte Wanderung mit einem Nationalpark-Ranger der nicht nur ortskundig war, sondern auch allerhand Kapriolen im Gepäck hatte. Die Homepage pries die RANGERTOUR: „Sie wandern dort, wo sich Mauereidechse und Schlingnatter ein Stelldichein geben. Auf teils steilen, schmalen Pfaden erklimmen Sie den Honigberg mit atemberaubenden Ausblicken auf die Eifeler Stauseen.“ Das klang nach großem Kino.


Gewohnheitsgemäß sind die Tage nach Weihnachten von Ruhe und Beschaulichkeit geprägt, die Völlerei hat ein Ende, der Jahreswechsel ist in greifbarer Nähe, so dass sonnige Aussichten für viele Anlass genug sind, fünf Stunden bei klirrender Kälte im Wald umherzustapfen. Die Liebe zur Natur und das schlechte Gewissen über den unbefriedigten Bewegungsdrang der vergangenen Tage tun ihr Übriges.


Wir waren also 37 willige Wanderer die wissbegierig und wohlgenährt Zerstreuung im deutschen Wald suchten. Mittendrin eine Gruppe von vielleicht 20 indischen Studenten, die einen Ausflug aus dem nahe gelegenen Aachen in die Provinz gewagt hatten um ihrer weihnachtlichen Langeweile mit einem Waldspaziergang zu begegnen. Nicht der Fakt das Inder im Nationalpark Eifel auf Wanderschaft gehen, erstaunte mich. Der Sehnsuchtsort deutscher Romantik gehört jedem Besucher nährgebracht. Vielmehr die einheitliche Ausstattung der Studentengruppe mit hängenden Einkaufsbeuteln, gepufften Backerbsen und Bananen. Allesamt mit strahlend weißen, neuen Turnschuhen ausgestattet wirkte die Gruppe wie ein Fremdkörper im Wald. Keine Wanderschuhe, kein Wanderrucksack, keine Outdoorkleidung.

Wir machten uns also gemeinsam auf den waldigen Weg zum Honigberg. Hier und dort wusste der Ranger wissenswertes, kurioses oder beeindruckendes zu berichten, als sich die Gruppe vor einem vielleicht einen Meter hohen Nadelbaum versammelte. Tanne. Kiefer. Fichte. Der Ranger begann den Haupttrieb des Baumes abzubrechen. Ich erinnerte mich an die Homepage: „Nationalparke schützen die heimische Natur – so wie sie natürlicherweise wäre und wie sie sich ohne menschlichen Eingriff entwickelt. Das Motto ‚Natur Natur sein lassen‘, das in allen Nationalparken gilt, bringt diesen Grundsatz auf den Punkt.“ Mein Einwand, dass das Abbrechen von Bäumen doch im Nationalpark vielleicht keine so gute Idee… „Der Ranger weiß was er tut…“ war die Antwort die mich zu schweigen maßregelte. In einer Manier der 30er Jahre referiert unser Führer nun über den Naturschutz, aus dessen Sicht die Douglasie, die so wunderbar frisch roch, nicht als einheimisch gelte. Vielmehr sei der formelle Status „…Neophyt (‚Neupflanze‘)…[mit]…Ausbreitungstendenz.


Die Inder mümmelten genüsslich den Inhalt ihrer Haldirams-Snacktüten und kauten stoisch die gepufften Backerbsen. Es machte am Ende des Tages auf mich nicht den Eindruck, als hätten sie viel von unserem Ausflug verstanden, vom Führer, den Neupflanzen oder dem Waldleben. Sie amüsierten sich jedoch köstlich über den offenbar unter einem Würghusten leidenden Jagdhund (Bayerischer Gebirgsschweißhund) des Rangers der auf den Schlussmetern sein Leid in Form eines Batzens Grashalme herauswürgte um den Tag quietschfidel an Herrchens Seite zu beenden.


Die Liebe zur Natur war befriedigt, das schlechte Gewissen beruhigt, der ungenügende Bewegungsdrang zur Räson gebracht. Die neuen Turnschuhe dagegen waren schmutzig. Dennoch schienen alle ziemlich zufrieden.

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