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Freiheit braucht Gelassenheit

Freiheit ist nicht das Recht zur lebenslänglichen Beliebigkeit, sondern fordert die Kraft zur Bindung. Von Paul Kirchhof

Freiheit sichert Unabhängigkeit vom Staat, setzt aber die individuelle Kraft zur Freiheit voraus. Der Mensch ist von Geburt an frei, muss aber lernen, seine Begabung zur Freiheit zu entfalten. Er wächst zur Freiheit, Selbstverantwortung, Mündigkeit, Wahlfähigkeit heran, weil ihn die Eltern in Sprache und Gemeinschaftsleben einführen, die Schule ihm eine Grundbildung vermittelt, er durch Berufsqualifikation und Kulturteilhabe besondere Fertigkeiten gewinnt. Staat und Wirtschaft stützen ihn bei Krankheit, Arbeitslosigkeit und Not. Gemeinschaft ist die Quelle der Freiheit. Der Staat garantiert in dieser Gemeinschaftsgebundenheit die individuelle Freiheit, gewährt diese aber als ein definiertes – begrenztes, auf die Mitmenschen abgestimmtes – Recht.

Freiheit heißt, sich vom anderen unterscheiden zu dürfen. Der eine widmet sich dem Erwerb, der andere dem Sport, ein Dritter den schönen Künsten. Diese Verschiedenheiten sind freiheitlich gerechtfertigt, rechtfertigen grundsätzlich keine Umverteilung. Doch der Zugang zur Freiheit muss durch Entfaltungs-, Bildungs-, Arbeits- und Gründungshilfen möglichst gleich erschlossen werden. Unterschiedliche Erfolge bei Wahrnehmung der Freiheit sind dann im Freiheitsrecht angelegt und anerkannt.

Die Freiheit selbst ist ein Angebot. Der Freie ist nicht verpflichtet, dieses anzunehmen. Würden die Menschen keine Familien gründen, wäre das Recht nicht verletzt. Doch ein Gemeinwesen ohne Kinder hätte keine Zukunft. Würden die Menschen sich am Erwerbsleben nicht beteiligen, sondern in den Tag hineinleben und unter der Brücke schlafen, so wäre dieses ihr Recht. Doch die Soziale Marktwirtschaft, der Finanz- und Steuerstaat würden an ihrer eigenen Freiheitlichkeit scheitern. Freiheit ist ein Vertrauenskonzept. Der Staat erwartet von seinen Bürgern die Fähigkeit und Bereitschaft, ihre Freiheit wahrzunehmen. Der Verfassungsstaat ist so frei, wie die Bürger ihre Kraft und Qualifikation zur Freiheit entfalten.

Die demokratische Freiheit sichert dem Bürger, als Teil des Staatsvolkes im Staat mitzuwirken. Das Staatsvolk wirkt im Staat wie die Hand im Handschuh. Der Handschuh liegt schlaff darnieder, bis die Hand hineinfährt und ihm Beweglichkeit verleiht. Der Staat wird durch das Staatsvolk handlungsfähig, setzt dabei voraus, dass die Bürger aus ihrer Kultur ähnliche Leitvorstellungen über ein gutes Zusammenleben entwickeln. Der Grundrechtsschutz ist ein allen Bürgern gemeinsames Anliegen. Die jeweilige Minderheit darf darauf vertrauen, in einem fairen Verfahren später einmal zur Mehrheit zu werden. Der gewählte Abgeordnete ist Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden. Er wird durch Koalitionsvereinbarungen, die sich „Koalitionsvertrag“ nennen, rechtlich nicht gebunden, ist sich auch bewusst, dass eine Politik von heute in einem Vierjahresplan die Fragen und Antworten zukünftiger Politik nicht voraussehen und nicht vorschreiben kann. Er darf insbesondere nicht ihm obliegende Entscheidungen an eine parteilich befangene, nicht das ganze Volk repräsentierende „Basis“ seiner Partei abtreten. Im Parlamentsalltag baut er auf die Arbeitsteilung in Fraktionen, behält sich aber stets die eigene, freie Entscheidung vor.

Freiheit ist nicht das Recht zur lebenslänglichen Beliebigkeit, sondern fordert in den das Leben prägenden Freiheiten die Kraft zur Bindung. Nur wer den Vorhof der Freiheit, die Beliebigkeit, verlässt und durch das Tor zur langfristigen Selbstbindung schreitet, macht sich die großen Zukunftsfreiheiten zu eigen. Wer einen Beruf wählt, muss sich dafür in Studium und Ausbildung qualifizieren. Wer eine Ehe und Familie gründet, verspricht dem Partner lebenslängliche Treue und ist seinem Kind unkündbar und unscheidbar verbunden. Wer ein Unternehmen eröffnet, übernimmt Verantwortlichkeit für seine Arbeitnehmer, sein Produkt, seine Vorlieferanten, den Standort, die Umgebung seines Betriebes. Freiheit ist verantwortliche Selbstbindung.

Der Rechtsstaat legt bei seiner Freiheitspolitik heute oft das Instrumentarium des Rechts beiseite und wählt den goldenen Zügel, der den Menschen ein anstrengungsloses Einkommen verspricht, wenn er sich willig einem staatlichen Lenkungsplan fügt. Der Mensch erscheint käuflich und empfängt Geld für staatlich definiertes Wohlverhalten. Doch jede Subvention trägt den Hang zum Privileg in sich. Sie begünstigt wenig Auserwählte, schließt die Allgemeinheit von der Wohltat aus. Der Mensch wird auch als ein gesamtwirtschaftlich steuerbares Objekt gesehen, das man durch steuerliche Anreize lenken, durch geldpolitische Veränderungen vor wirtschaftliche Fakten stellen, durch digitale Daten manipulieren kann.

Das Grundgesetz gewährte anfangs Freiheit von Angst – vor den täglichen Fliegerangriffen, der Geheimen Staatspolizei, vor Hunger und existentieller Not. Die neue Verfassung vertritt ein Menschenbild, in dem der Mensch nicht der Feind ist, dem man argwöhnisch, abwehrend, defensiv begegnet, sondern eher der Freund, dem man begegnen, in Gemeinschaft verbunden sein will. Dieser Mensch ist mehr vernünftig als triebgesteuert, hat eine eigene Würde, steht als Berechtigter in der Mitte des Rechts und macht das Recht vom Menschen abhängig. In dieser Schlichtheit ist der Mensch freiheitsberechtigter und mitgestaltender Demokrat. Er verdient Vertrauen. Doch je mehr das Recht Genehmigungs- und Kontrollvorbehalte aufbaut, Berichts- und Dokumentationspflichten begründet, Belege und Nachweise fordert, desto mehr verbreitet der Staat Misstrauen und erstickt Freiheit.

Freiheit braucht Gelassenheit. Der Gelassene tritt bedacht und zeitbewusst in eine Welt, in der er auch einmal von sich selbst und den Dingen lassen, ohne die Frage nach dem Warum denken und handeln kann. In dieser Offenheit auch für Gefühl und Sinne widmet er sich der Geselligkeit und dem Spiel, der Kunst und der Religion. Der Gelassene weiß, dass er vertrauen muss, will er nicht sprichwörtlich um den Schlaf gebracht werden.

Wenn Flüchtende ihre Hoffnung auf Zugang und Bleiberecht in Deutschland setzen, die Bürger sich in ihrer freiheitlichen Selbstbestimmung aber überfordert fühlen, wird die Freiheit als begrenztes Recht sichtbar. Die Demokratie braucht die Staatsgrenze als Schutz gegen den militärischen Angreifer, das Staatsgebiet als Raum ihrer Rechtsverantwortlichkeit, die Grenzschranke als Instrument für das Recht von Austausch und Begegnung. Unter dieser Voraussetzung bemühen sich freie Menschen um offene Grenzen, respektieren aber stets die Grenze zwischen der eigenen Freiheit und der des anderen. Den Flüchtenden ist am besten geholfen, wenn ihnen in ihrem Herkunftsland eine Heimat geboten wird, wir ihnen Helfer mit Kapital zum Aufbau moderner Lebensbedingungen schicken, die einen zarten Aufwuchs eigener Entwicklung nicht überschwemmen, sondern bestärken und ergänzen.

Am Beginn der Neuzeit forderte Freiheit vor allem den Mut, seinen Verstand zu gebrauchen. Mit Vernunft werde die Natur beherrscht, ein Konflikt nicht mehr durch Faust und Fehde, sondern allein in der Rationalität des Sprachlichen gelöst, Frieden gesichert, Herrschaft gemäßigt, Wissenschaft entfaltet. Freiheit schützt das Handeln nach Vernunft, gewährt aber auch das Recht, unvernünftig sein zu dürfen. Der Mensch folgt nicht nur Vernunft und Logik. Er will auch lachen und lieben, tanzen und musizieren, staunen und sich verzaubern lassen. Er will sich aufregen und empören, begeistert und enttäuscht sein, vertrauen und hoffen. Er will auch einmal leichten Sinnes sein und damit einen Platz im Recht finden. Deswegen verstehen wir, dass die Mutter dem verlorenen Sohn das zehnte Mal verzeiht, der Extremsportler erneut zu einem riskanten Flug ansetzt, die Zuschauer den Fußballstar bejubeln. Dieses ist nicht vernünftig, aber menschlich. Freiheit fordert ein Handeln mit Verstand und Herz.

Die vernunftgeleitete Freiheit droht gegenwärtig in Teilrationalitäten verengt zu werden. Die Naturwissenschaften folgen einem Prinzip empirischer Beweisbarkeit, fragen nach dem menschlichen Können, vernachlässigen aber die Frage nach dem menschlichen Dürfen. Die Geschichte lehrt den Menschen seine begrenzte Einsichts- und Erlebnisfähigkeit, warnt vor der Wiederholung von Fehlentwicklungen, ist aber auch eine Geschichte des Zufalls. Die Wirtschaft folgt einem Wettbewerb, der nach einem fairen Verfahren die Wettbewerber in Sieger und Besiegte trennt, Unbeteiligte vom Wettbewerbserfolg von vornherein ausschließt, mit dieser Härte nur neben Ausgleichs- und Solidaritätsstrukturen erträglich ist. Die Geldwirtschaft baut auf ein Einlösungsversprechen, das allein in einem Systemvertrauen wurzelt, ohne eine dieses Vertrauen rechtfertigende Wirtschaftsdisziplin zu garantieren. Der Staat finanziert sich aus Steuern, darf nicht mehr ausgeben, als er eingenommen hat. Weicht er in eine überhöhte Staatsverschuldung aus, nimmt er der nachfolgenden Generation ein Stück ihrer Freiheit. Diese Teilrationalitäten werden zur Unvernunft, wenn nicht eine lebensübergreifende Vernunft und eine freiheitsbestimmende Humanität die Teilsysteme zusammenführen.

Der technische Fortschritt erweitert Freiheit, erleichtert das Leben, erschließt Denk- und Entscheidungsformen, die bisher unmöglich schienen. Die moderne IT-Technik bietet den Menschen neuartige Instrumente des Begegnens und Verständigens, des Gedächtnisses und der Gedankenkombinationen, droht jedoch, ohne Wissen der Betroffenen ein eigenes Potential an Wissen, Kombinations- und Entscheidungsfähigkeiten aufzubauen, das die Menschen beherrscht und lenkt. Deshalb werden freie Gesellschaften ihr Menschenbild und ihre Werte in diese Maschinen und Algorithmen einbringen, die formatierte Freiheit des Menschen bewusstseinsbildend weiten.

Wenn die Algorithmen Menschen, Gegenstände, Zustände und Eigenschaften vergleichen und zählen, können sie einen Großteil der das menschliche Leben bestimmenden Wirklichkeit nicht erfassen. Freude und Begeisterung, Liebe und Trauer, Hoffnung und Enttäuschung ereignen sich im Innenleben des Menschen, verschließen sich der Verallgemeinerung in einem für jedermann geltenden Maß. Die Teilperspektive einer allein das Zählbare beobachtenden Weltsicht gibt Anlass, diese Begrenztheit bewusst zu machen, die Akteure aus der Anonymität des Systems in Dialog und Verantwortlichkeit zu drängen. Der Staat wird vielfach auf die Begegnung von Menschen in Sprache, Rechenschaft und persönlicher Verantwortlichkeit nicht verzichten können.

Der europaoffene Verfassungsstaat hat einen Teil seiner Aufgaben und Kompetenzen an die Europäische Union übertragen. Damit geht ein Stück der Freiheitsgarantie auf diesen Staatenverbund über. Die gemeinsame Ausübung von Hoheitsrechten muss vor allem die Verbindlichkeit des Rechts, die in der Union insbesondere im Finanzrecht sehr gelitten hat, im Dienst der individuellen Freiheit wiederherstellen. Freiheit ohne Recht ist unmöglich. Suchen Machthaber sich vom Recht zu lösen, bedrohen sie die Freiheit. Die Erwartung, die EU brauche nicht den Zusammenhalt im Recht, sondern könne die Mitgliedstaaten durch Zuwendung anstrengungsloser Einnahmen binden, muss als Irrtum entlarvt werden. Ein System, in dem der Empfänger stets glaubt, zu wenig zu erhalten, der Zahler meint, zu viel leisten zu müssen, entsolidarisiert. Das Ergebnis ist die Flucht in den Kredit des billigen Geldes, der den Sparer nach und nach enteignet, die Jedermannsfreiheit des gesparten Ertragseigentums zerstört.

Die grundlegende Erneuerung der EU ist durch das Einstimmigkeitsprinzip erschwert. Deshalb empfiehlt es sich, in den europäischen Gremien unter Beteiligung der mitgliedschaftlichen Parlamente eine neue Grundordnung zu entwerfen. Für diesen Entwurf genügen Mehrheiten, vielleicht qualifizierte Mehrheiten. Die Mitgliedstaaten können dann neu entscheiden, ob sie in einer Union mit diesem Rechtskonzept bleiben wollen. Das Einstimmigkeitsprinzip wird so durch die Entscheidung über die Zugehörigkeit eines Staates in der zukünftigen EU ersetzt. Dies könnte ein Befreiungsakt sein – für die Freiheit der Unionsbürger, für die Demokratie in den Mitgliedstaaten, für die Eigenheit Europas als ein freiheitlich und demokratisch strukturiertes Völkerrechtssubjekt.

Professor Dr. Dres. h. c. Paul Kirchhof, Bundesverfassungsrichter a. D., ist Seniorprofessor distinctus der Universität Heidelberg.

Erschienen in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Donnerstag, 11.10.2018, S. 8 (Staat und Recht).

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Leserbrief Mitteldeutsche Zeitung – „Alarm im Opernhaus“ (17.November 2017)

Sehr geehrter Herr Eger,

vielen Dank für den aufschlussreichen und besorgniserregenden Artikel vom 17. November. Aufschlussreich, weil er den Weg eines Stefan Rosinski im halleschen Kulturleben als eine weitere Station im Werdegang eines künstlerisch ambitionierten Geschäftsführers aufzeigt. Besorgniserregend, weil eben jene künstlerischen Ambitionen eine Schlüssellochmoral offenbaren, die den Kulturinstitutionen der Stadt auf Dauer schaden können.

Sollten die von Ihnen zitierten Passagen aus dem Geschäftsbericht des Geschäftsführers der TOOH GmbH, Stefan Rosinski, tatsächlich als konzeptionelle Kritik am vermeintlich „…politischen Musiktheater…“ eines Florian Lutz formuliert sein, der sich damit auf eine „…Untergruppe von Opernliebhabern…“ konzentriert, so wirft das eine Vielzahl kulturpolitischer Fragen auf. Zensur wäre sicherlich der schärfste Vorwurf, auch wenn die Gründe nicht in einem kulturpolitischen Gegenkonzept zu suchen wären, sondern in der Kleinmut und Eitelkeit eines von Furcht getriebenen „Don Pizarro“. Mangelndes Interesse am Opernpublikum wäre ein weiterer Aspekt, der vorzubringen wäre. So gab es seit Amtsantritt des neuen Geschäftsführers viele verpasste Gelegenheiten für ein offizielles Gespräch und eine umfassende Meinungsbildung mit dem Vorstand der Gesellschaft der Freunde der Oper und des Balletts Halle (Saale) e.V.

Die Förderung des Landes Sachsen-Anhalt für die TOOH GmbH – derzeit immerhin knapp 10 Millionen Euro pro Jahr – zielt auch auf „nationale Exzellenz“, ein Ziel, welches durch die neue Intendanz erfolgreich angegangen wurde. Sollten die städtischen Geldgeber andere Absichten haben, gilt es diesen Zielkonflikt zu moderieren. Der Moderator: Stefan Rosinski. Doch statt Moderation, Dialog und Führung erlangt man den Eindruck, dass die Geschäftsführung den übergelaufenen Kelch der Missetaten auf die Bühne drängt. Vielleicht nicht die beste Regie-Idee.

In Zeiten politischer Gleichgültigkeit sollten wir froh über die politischen Aspekte der Kunst sein. Diese sind seit jeher integraler Bestandteil künstlerischen Schaffens und als vorpolitische Instanz (oder Überbau – je nach Ideologie) wegweisend für unser Zusammenleben und die Werte und Normen eines jeden einzelnen. Dies abzutun, zu verunglimpfen und Kritik als einzige Form der Anerkennung gelten zu lassen, wäre fatal.

Der grausame Gang der prunkvollen Nichtigkeiten nimmt derweil seinen Lauf. Die öffentliche Diskussion disziplinarischer Maßnahmen, eine irritierend späte Abo-Kampagne in der laufenden Spielzeit: Der potentielle Schaden für die Kulturinstitutionen der Stadt ist nicht zu unterschätzen. Die anstehenden Verhandlungen mit dem Land über die Fortführung der Förderung der TOOH GmbH werden durch verhärtete Fronten, Uneinigikeit und offen ausgetragene Konflikte zu einer Gewährsprobe, die immerhin die Chance auf ein Zusammenraufen bereithält. Was ist die Strategie der TOOH GmbH und welches das künstlerische Konzept der Zukunft? Der düstere Glanz eines abgetakelten Provinztheaters? Erfolg um den Preis vernichtenden Neons? Ich bin gespannt auf einen weiteren Akt dieses destruktiven Stadttheaters…

Was bleibt ist die Kunst. „Mögen die Höhepunkte der Vergangenheit die Tiefpunkte der Zukunft sein.“ (Olli Schulz)

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Ingo Herrmann

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Vorstellung Ingo Herrmann Gesellschaft der Freunde der Oper und des Balletts Halle e.V. Mitgliederversammlung

Liebe Mitglieder der Gesellschaft der Freunde der Oper und des Balletts Halle e.V.,

die wenigsten von Ihnen werden mich kennen und leider kann ich aufgrund eines langfristig geplanten Urlaubs nicht persönlich die Gelegenheit ergreifen um heute meine Bereitschaft für die Vorstandsarbeit und die Übernahme der Präsidentschaft des Vereins zu erklären.

Trotzdem möchte ich in dieser Mitgliederversammlung das Wort an alle Mitglieder des Vereins richten um Ihnen die wesentlichen Aspekte darzulegen, die Sie bewegen könnten einen un-sichtbaren Unbekannten zu wählen.

Die Allgemeinheiten vorneweg: Mein Name ist Ingo Herrmann, ich bin 35 Jahre alt, Hallenser und habe Kunstgeschichte studiert. Wie bei den meisten hier, kreist mein Mond der Freizeit um den großen Planeten Arbeit. Dieser Planet heißt bei mir seit einigen Jahren Herrmann & Tallig, wo ich als Geschäftsführer tätig bin. Mit mehr als 900 Mitarbeitern bin ich in dieser Funktion meist gut beschäftigt. Dennoch liegen mir die kulturellen Institutionen der Stadt, insbesondere die Oper, am Herzen.

Als Hallenser sind wir zumeist stolz auf die kulturelle Vielfalt in unserer Stadt. Dieser Stolz ist auch aus meiner Sicht mehr als berechtigt. Die Oper und auch das Ballett tragen auf einer institutionellen Ebene maßgeblich zu dieser bunten Vielfalt und dem breiten kulturellen Angebot in der Stadt Halle bei. Sie sind unabdingbare Sehnsuchtsorte.
Personelle Wechsel, ein damit einhergehender Wandel des Programms, der Verlust liebgewonnener Sehgewohnheiten oder räumliche Veränderungen, sollten uns jedoch nicht davon abhal-ten den Rahmen, der diese Vielfalt ermöglicht, weiterhin zu unterstützen.

Nach einer Definition von Wikipedia ist ein Förderverein „…in der Regel ein Verein, dessen Hauptzweck in der Verbindung von finanziell potenten Geldgebern und einer unterfinanzierten gemeinnützigen Einrichtung besteht.“ Auch die Gesellschaft der Freunde der Oper und des Balletts Halle e.V. ist ein Förderverein mit dem satzungsmäßigen Ziel „…die Oper Halle und deren Ballett bei der Realisierung ihrer Ziele finanziell, ideell und organisatorisch…“ zu unterstützen. Wie wir diese Aufgabe in den kommenden Jahren noch besser erfüllen und welche konkreten Ziele wir gemeinsam für die Oper realisieren, muss in den kommenden Wochen im neuen Vorstand erarbeitet werden.

Natürlich darf ein Förderverein wie die Gesellschaft der Freunde der Oper und des Balletts Halle Ansprüche an eine künstlerische Leitung formulieren. Einigkeit haben wir in der Gewissheit der künstlerischen Freiheit. Einigkeit haben wir auch darin, kein kulturelles Mehlspeisenparadies zur Absättigung einzufordern, sondern Oper, die Ihrer Rolle als Wächter der Herzensgeheimnisse, als Initiator von Kritik, Beobachter oder Kommentator, ihrer kulturpolitischen und gesell-schaftlichen Verantwortung nachkommt.
Gerade in der aktuellen Diskussion um die Ausrichtung der Oper und des Balletts innerhalb der TOO GmbH müssen wir als Freunde uns jedoch auch in Galionspositur werfen. Die Oper ist nicht nur die schattige Heimat der Erfrischungsgespräche, der Ort für Exzellenznachmittage und Mercedesgefühl. Gerade in Halle, mit seiner vielfältigen Bevölkerungsstruktur gilt es Wege zu fin-den, noch mehr Menschen für das Musiktheater zu begeistern.

Die Liebe zur Kunst hat bekanntlich nichts mit schöpferischer Begabung zu tun. Oberste Prä-misse des neuen Vorstandes wird es daher sein, die finanziellen Möglichkeiten des Vereins zu vergrößern. Das hierbei konstruktive Kontinuität ebenso erforderlich ist, wie die Suche nach neuen Wegen ist offenkundig. Kein schrulliges Vermeiden, wo beherzte Dreistigkeit angebracht ist. Kein unnötiges Optimierungsbemühen, wo neue Wege zwingend erforderlich sind.

Ich würde mich freuen, wenn Sie mich heute – trotz Abwesenheit – in dieses verantwortungsvolle Amt wählen, weil ich glaube die notwendige Zuversicht für die Zukunft des Vereins mit der erforderlichen Kraft und Muse zu verbinden, die notwendig sind, dieses Vorhaben zum Erfolg zu führen. Ich würde mich freuen, Sie in den kommenden Wochen und Monaten näher kennenzu-lernen und in einen Austausch über den Verein und dessen Wirken zu treten.

Vielen Dank!

Ingo Herrmann

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Rede Wirtschaftsbeirat Hallescher Fußball Club HFC e.V. (08.12.2015)

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich darf Sie im Namen des Vorstandes des Wirtschaftsbeirates des HFC ganz herzlich hier in den Räumen des Kunstvereins Talstraße in Halle begrüßen. Mein Name ist Ingo Herrmann. Ich bin Geschäftsführer der Herrmann & Tallig Objektdienste GmbH.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen hier auch einige Worte zu Herrmann & Tallig zu verlieren. Ich könnte ihnen jetzt Stundenlang erzählen, wie facettenreich ein Gebäudedienstleister wie wir aufgestellt ist: Bau-, Krankenhaus-, Solar-, oder  Büroreinigung, Winterdienst, Grünanlagenpflege, Hausmeisterdienste usw. Aber man kann das auch kurz und knackig machen: Wir – also Herrmann & Tallig – sorgen für Sauberkeit und Hygiene in Mitteldeutschland.

Das ist die Realität in der wir leben.

Vom einfachsten Dreck auf dem Flur, über die blutigen Hinterlassenschaften von Selbstmördern bis hin zum sterilen Reinraumen, der Lebensmittelproduktion oder einer komplexen Desinfektion im OP-Saal.  Das ist unser tägliches Brot.

Das klingt für viele oft banal und in der Tat: Reinigung scheint heutzutage oft banal. Aber ohne Hygiene, ohne Sauberkeit, ohne die kontinuierliche Reinigung von allem möglichen, gäbe es heute weniger Gesundheit und die Menschheit – gewagte These –wäre nicht dort, wo sie heute ist.

Das am gesundheitlichen Wohlbefinden ausschließlich die Gebäudereiniger schuld sind, wäre natürlich vermessen zu behaupten. Auch die Medizin hat ihren bescheidenen Anteil an der Entwicklung…

Auch wenn unsere Erfahrung im Krankenhaus zeigt – und da muss ich eine Lanze für unsere Mitarbeiter brechen –  das die Reinigung in den seltensten Fällen an Keimverschleppungen schuld ist, sondern fast immer die Schwestern und Ärzte die sich nicht die Hände desinfizieren. Aber das nur am Rande. Dennoch an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an Professor Bernd Fischer, den Leiter des anatomischen Instituts, dass er die Führung durch die Meckelsche Sammlung selbst vorgenommen hat und damit den ersten Brückenschlag zur Gebäudereinigung getan hat … auch wenn die Anatomie nicht mehr so viel mit Wohlbefinden zu tun hat.

Jetzt kann man sich noch Fragen, warum ein Gebäudereinigungsunternehmen hier den Kunstverein ausgewählt hat um eine Sitzung des HFC-Wirtschaftsbeirates auszurichten. Die einfache Antwort: Ich hab Kunstgeschichte studiert, mag diesen Verein und wollte einen Brückenschlag zwischen Sport auf der einen und Kunst auf der anderen Seite.

Sport heißt schließlich nicht nur „aufgepumpter Muskelprotz“, sondern auch Kultur. Im Idealfall ist Fußball sogar Kunst. Und Kultur, Kunst ist für uns – für mich zumindest – essentiell. Kunst gibt Inspiration, … regt zum Nachdenken an, Kunst bringt uns auf andere Gedanken oder ist schön.

Beide – Sport wie auch Kunst – sind sich nicht unähnlich: Sie erfordern Kreativität, Ausdauer, Geschick, Schnelligkeit. Sie können kräftezehrend sein. Beide haben auch eine geistige Komponente: benötigen Regeln, haben eine Strategie.

Und was hat das alles nun wiederum mit Gebäudereinigung zu tun? Was verbindet Gebäudereinigung, Kunst, Sport, Wirtschaft?

Im Wesentlichen, dass all das von Menschen, für Menschen gemacht wird.

Bei Herrmann & Tallig sind das über 850 Mitarbeiter, die jeden Tag irgendwo zwischen Erfurt, Dresden, Stendal , Magdeburg und Halle versuchen, unseren Auftrag – Sauberkeit und Hygiene – in die Tat umzusetzen. Und wie überall beim Umgang mit Menschen, ist die schwerste Arbeit die Arbeit mit dem Menschen, ihn zu gewinnen, zu motivieren und dort hin zu führen, wo er das bestmögliche schafft. Das ist die Klammer, die uns heute verbindet.

Ganz in dem Sinne: Es hat schwach angefangen und stark nachgelassen, danke ich für die Aufmerksamkeit. Frohe Weihnachten und BLEIBEN SIE SAUBER!

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WEIHNACHTEN 2015 @ SCHLOSSTRAU

 

Liebe Weihnachtsfeierfreunde,

der Heilige Abend steht vor der Tür und wie im vergangenen Jahr, möchten wir erneut gemeinsam mit Freunden und Bekannten, einen bezaubernden Abend verbringen.

In diesem Jahr bietet sich die einmalige Gelegenheit, diesen Abend im weihnachtlich geschmückten Kaminzimmer des Schlosses Ostrau zu verbringen. Dazu möchten wir Dich herzlich einladen.

Wo:

Schloss Ostrau

Schlossstraße 11

06193 Ostrau

 

Wann:

24. Dezember 2015, 17:00 Uhr

 

Zur Nutzung der Räumlichkeiten und zur Unterstützung des Schlossvereins, werden wir pro Person 15,00 € für die Raumnutzung berechnen. Darin enthalten ist nicht nur das einmalige Ambiente des Schlosses, sondern auch ein prachtvoller Weihnachtsbaum, knisterndes Kaminholz und spannende Gesprächspartner. Den Betrag von 15,00 € bitten wir vorab auf folgendes Konto zu überweisen:

Kontoinhaber:         Herr Ingo Herrmann

IBAN:                       XXXXX

BIC:                           XXXXX

Verwendung:           Anmeldenummer lt. Liste + Name

 

Gerade weil man sich an diesem Ambiente nicht satt sehen kann, muss jeder Teilnehmer einen kleinen kulinarischen Beitrag leisten, um zu einem gelungenen Abend beizutragen. Neben herzhaften Hauptspeisen (Braten, Klöße, Eintöpfe, Salate, Würstchen), sind auch Vorsuppen, Wein, Getränke, Obst, Nüsse oder Weihnachtsplätzchen gern gesehen. Für eine verbindliche Anmeldung und größtmögliche Transparenz, tragt euch bitte verbindlich bis zum 04. Dezember 2015 in folgende Liste ein. Ebenso findet sich hier Gelegenheit, die Speisen und Getränke einzutragen, die uns ein fulminantes Weihnachtsfest ermöglichen.

 

Verb. Anmeldung: https://goo.gl/r5mxkX

 

Als Mindestteilnehmerzahl sind 15 Personen notwendig. Sollte die Mindestteilnehmerzahl bis zum 4. Dezember nicht erreicht sein, wird die Saalmiete in Höhe vom 220,00 € auf die angemeldeten Personen aufgeteilt. Übersteigende Beträge werden für den Erhalt des Schlosses verwendet.

Kleine kulturelle Beiträge sind ebenso willkommen (Loriot) – ein gestimmter Flügel steht bereit. Schließlich sollte jeder Teilnehmer ein kleines Wichtelgeschenk im Maximalwert von 5,00 € an diesem Abend mitbringen. Bitte hübsch verpackt am Beginn des Abends unauffällig in den im Eingangsbereich bereitgestellten Wichtelsack legen.

Bei Fragen wendet euch bitte per E-Mail an Ingo Herrmann

DIESE EINLADUNG DARF GERN WEITERGEGEBEN WERDEN! MAX. 30 Personen!

Bis dahin alles Gute!

Ingo Herrmann

 

 

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Zitat

„Ich bin nicht sicher, ob, da die Kulturpolitiker hier sitzen, gesungen werden soll. […] Offenbar wird doch nicht gesungen.“

Katrin Göring-Eckardt (Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages in einer kulturpolitischen Debatte zur Etablierung der Kreativwirtschaft, Deutscher Bundestag, Plenarprotokoll 16/94)

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Jahresausstellung der Burg Giebichenstein

An diesem Wochenende war Jahresausstellung der Studenten der Burg Giebichenstein. Eigentlich eine kleine regionale „Documenta Vers. ??“. Unzählig viele Ideen, Gestaltungstipps, Talente und große wie kleine Kunst. Dazu – gerade gestern Abend – ein bezauberndes Ambiente an der Villa am Neuwerk.

Und was höre ich gerade im Radio? Zwei Studenten haben nach Ansicht einer Besucherin einige rechtsextreme Zeichen in ihren Bildern verwendet woraufhin die pflichtgemäße Besucherin das betroffene Bild unmittelbar aus der Ausstellung entfernte und zur Polizei brachte. Ein riesen Kalauer hoffe ich. Oder doch zumindest eine geschickte Inszenierung von zwei Studenten die auf dem keimenden Kulturmarkt ihren eigenen Bekanntheitsgrad  steigern wollten und dazu eine naive Mitstreiterin als williges Klageopfer verpflichtet haben, die in dieser Posse die beflissene „Besorgte Bürgerin“ zu Mimen hatte.

Überhaupt kommen einem auf einer solchen Veranstaltung interessante Gedanken: Das kreative Burg-Umfeld speist – zumindest die nicht allzu beflissenen Besucher (siehe oben) – mit kreativem Input, Inspiration. So spielte unser Nachbar (Straßennachbar, ich gebe es ja zu!) Geige im Hof der Unterburg. Er: erfolgreicher Kardiologe mit entsprechend wohnlichem, schön gelegenem Einfamilienhaus, abgesichert und finanziell – vermutlicher Maßen – unabhängiger als viele Besucher, spielt auf.

Ich weiß nicht so recht warum mich das derart fasziniert hat, aber er hatte Spaß beim dem was er dort – gemeinsam mit einer Jazzcombo –  vorgetragen hat. Gute Qualität, gute Unterhaltung und das alles eine private Initiative, ein Darsteller der ein Publikum sucht und vielen glücklichen und würdigenden Zuhörern.. Vielleicht ist das ja die Zukunft der Kulturförderung.

Ein nachdenkliches Bild habe ich heute auch gesehen: 1939, zu viele Soldaten, 1950, zu viele Arbeiter, 2012, zu viele Künstler. Vielleicht kommt bald der Punkt wo wir Künstler – wie einst Soldaten und Arbeiter – nicht mehr benötigen? Wo sie – aufgrund eines äußeren Einflusses – gesellschaflich nicht mehr die Rolle übernehmen, die wir ihnen heute (die Vorbildhaftigkeit künstlerischer Tugenden und Kreativität) zuschreiben. Ein origineller Gedanke. Leider ohne „bildlichen“ Verfasser. Egal.

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