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MATISSE

Henri Matisse: Das Papageienweibchen und die Sirene (auch: Der Sittich Und Die Sirene), Gouache / Scherenschnitt // Entstehungsjahr: 1952 // Format: 337 x 773 cm // Standort: Amsterdam (Stedelijk Museum)

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Besuch vom Narren

Nächtliche Unterhaltung mit einer Romanfigur: Dankesrede anlässlich der Verleihung des Frank-Schirrmacher-Preises am Montag, 03. September 2018, in der Berliner F.A.Z.-Redaktion. 

In diesem Raum gehöre ich zu einer kleinen Minderheit. Ich bin Frank Schirrmacher nie begegnet. Ich habe auch nie mit ihm kommuniziert, nicht per Mail, nicht per SMS. Und mir ist nicht bekannt, ob er je eines meiner Bücher gelesen hat, jedenfalls hat er mich weder gelobt noch gekränkt. Ich bin also ganz objektiv. Mit diesem Disclaimer wollte ich beginnen und dann steilen Flugs ins Allgemeine aufsteigen. Ich wollte erzählen, dass ich, geprägt von der Medienkritik eines Karl Kraus, Frank Schirrmacher zu dessen Lebzeiten immer mit Scheu, ja etwas Furcht beobachtet habe, einfach weil er so mächtig war im Milieu der Kultur, und ich wollte darüber sprechen, wie sehr sich die Weltsituation doch verändert hat – Sorgen müssen uns weiß Gott nicht mehr mächtige Feuilletonisten machen, wollte ich sagen, und dann wollte ich darauf eingehen, wie sehr Frank Schirrmacher in einer Welt von Donald Trump, Viktor Orbán und AfD fehlt. All das wollte ich sagen, aber als ich mich neulich spätabends hingesetzt hatte, um meine Rede zu schreiben, passierte etwas Unerwartetes: Till Eulenspiegel kam zu mir.

Er kam nicht als Erscheinung. Ich habe keine Visionen. Ich hätte sie gern, das wäre nützlich für meine Arbeit, aber bisher waren mir keine Gesichte vergönnt. Ich sollte es also besser so ausdrücken: Till Eulenspiegel wurde mir wieder auf die gleiche Art gegenwärtig, wie er es beim Schreiben meines Romans gewesen war. Damals war es mir oft vorgekommen, als wäre mein Versuch, seine archaische Gestalt in eine Erzählung zu bannen, weniger eine Kraftanstrengung der Erfindungsgabe als vielmehr die Bemühung, klar hinzuhören auf seine hohe und scharfe Stimme. Da war er also und fragte: „Was stellst du da an?“ Und als ich nicht wusste, was ich darauf antworten sollte: „Machst du’s schön staatstragend?“

Ich kenne ihn ja inzwischen ganz gut, und so leicht bin ich auch nicht zu provozieren, also sagte ich ausweichend: „Was schlägst du vor?“

Aber ich wusste seine Antwort schon. Wie ich übrigens beim Schreiben immer gewusst hatte, was er sagen würde. Eine neue, durchgehend seltsame Erfahrung: Nie hatte ich das Gefühl gehabt, mir seine Sätze auszudenken. Wann immer er in meiner Phantasie den Mund geöffnet hatte, hatte er auch schon geredet, als wäre er eine von mir unabhängige Person. „Sprich von dir“, das wusste ich, würde er antworten – und da mir seine Antwort bewusst wurde, hatte er sie auch schon gegeben. „Statt einer geplusterten Dankeschönrede mit Brokat und Silber, statt großer Worte über Gegenwart, Zukunft und was weiß ich, erzähl, wie oft du Angst hattest, es nicht zu schaffen, dein Büchlein. Erzähl davon, dass du oft nur weitergemacht hast, weil du musstest, weil du nämlich den Vorschuss ausgegeben hattest. Von solchen Dingen sprich, das mag ich, oder sprich darüber, wie lustig es ist, dass du einen Preis bekommst, benannt nach einem Mächtigen, vergeben im Rahmen des alleretabliertesten Establishments ausgerechnet für ein Buch über mich! Gehört sich das?“

„Nicht für das Buch über dich!“, sagte ich. „Da steht ausdrücklich: ,für herausragende Leistungen zum Verständnis des Zeitgeschehens‘.“

„Zum was des Zeitgeschehens?“

„Zum Verständnis.“

„Zum Verständnis des was?“

„Ich weiß, ich weiß. Aber hör mal, das mit dem Establishment ist übertrieben.“

„Das Staatsoberhaupt!“, rief er, und jetzt brauchte ich mir seine Stimme nicht mehr vorzustellen, ich hörte sie wirklich. „Das Staatsoberhaupt redet über dich! Ich bin ein besserer Künstler als du. Kunst kommt von Können, sagen sie, aber was kannst du eigentlich? Ich kann jonglieren und tanzen, und überleben kann ich auch, und zwar am besten, wie sonst hätte ich so vielen Leuten so viele Streiche spielen können! Ich kann Dinge, von denen du nicht mal träumen würdest! Und habe ich je einen Preis von einem Oberhaupt gekriegt? Die Wahrheit ist, ich hab noch kein Oberhaupt getroffen, das mich nicht totschlagen wollte.“

„Die Zeiten sind andere“, sagte ich.

„Ja, noch sind sie’s“, sagte er, und dann stieß er sein meckerndes Lachen aus. „Und wenn sie’s nicht mehr sind, also: wenn sie wieder so sind, wie sie mal waren, denn glaub mir, das kann schnell passieren – dann schauen wir doch mal, wie du dich anstellst.“

Ein unangenehmes Lachen war das, kein herzliches, ein Lachen ohne Liebenswürdigkeit. Es gibt ja die unterschiedlichsten Arten zu lachen, und sie haben wenig miteinander gemein. Es gibt das Lachen, in dem sich Einverständnis zeigt mit dem allgemeinen Status quo, das freundliche Lachen, das Lachen der netten Leute ohne Humor. Und dann, fast nicht einmal verwandt damit, das Lachen darüber, dass die Welt so ungerecht ist und so gemein. „Das Lachen der Engel“ hat Milan Kundera jenes nette Lachen genannt und dieses „das Lachen der Teufel“, und es sei das Teufelslachen, so Kundera, das Diktatoren und Fanatiker nicht erlauben könnten, während sie das Lachen der Engel jederzeit schätzten. Kurz gesagt: Die Engel lachen darüber, dass die Welt so schön ist und so gut eingerichtet. Die Teufel lachen darüber, dass die Engel behaupten, die Welt wäre schön und gut eingerichtet, obwohl dem nicht so ist.

„Ich sehe, was du da machst“, sagte er.

„Was mache ich denn?“, fragte ich ertappt. „Ich spreche doch von dir. Ich spreche davon, dass du fürs Teufelslachen stehst, für den kompromisslosen Blick, für die Kraft der Unversöhnlichkeit.“

„Ich stehe für nichts.“

„Du stehst für Kunst!“

„Ja, bei dir, weil du dir das so ausgedacht hast, aber in den alten Geschichten bin ich nur einer, der auftaucht, den Leuten was antut und wieder abhaut. Für mich gibt’s nichts Allgemeines. Für mich gibt es das, was gerade ist. Und wenn du über mein Buch sprechen willst . . .“

„Mein Buch!“, korrigierte ich. Das konnte ich nun doch nicht einfach stehenlassen.

„Dann sprich lieber darüber, wie du die Folterung des Müllers geschildert hast. Wie du dich entschieden hast, den Mord zu beschreiben aus der Sicht des Mörders, weil du nicht so dringend das Opfer verstehen wolltest, sondern lieber den Täter. Opfer sein ist leicht, dachtest du, und nicht gerade spannend. Gib es zu!“

„Natürlich gebe ich es zu! Das ist die Aufgabe der Literatur! Wir Schriftsteller sind so, wir versuchen auch das zu verstehen, was wir –“

„Du bist so. Sag nie wieder ,Aufgabe der Literatur‘, sonst tu ich dir weh. Du weißt, ich kann das. So ausgedacht bin ich nicht, dass ich dir nicht weh tun kann. Sprich davon, dass du so bist, sprich davon, dass dich der Mörder mehr interessiert. Sprich davon, was es dich gekostet hat, dir vorzustellen, was in einem Blutrichter vorgeht, sprich davon, dass das kein Spiel ist. Wer so etwas tut, beschwört Dämonen. Sprich davon, wie es war, als sie kamen. Und sprich von dem Kapitel, in dem du mich hast verschüttet gehen lassen unter Brünn. Du wolltest eine Belagerung beschreiben, aber auf einmal war dir alles zu viel Bildermalerei, so dass du es lieber ganz klein haben wolltest, ganz beschränkt, ganz ohne Luft, nur drei Lebende und ein Toter in einem Loch in der Dunkelheit und der Strom der Erinnerungen. Du hast das nur geschrieben. Aber ich musste es aushalten.“

„So schlimm kann’s nicht gewesen sein“, sagte ich. „Du atmest nicht wirklich, also beschwer dich nicht über schlechte Luft.“

„Ich atme vielleicht nicht, aber ich lebe. Das weißt du am allerbesten. Es gibt viele Arten, wirklich zu sein. Ich lebe mehr als du. Ich war lang vor dir da. Ich werde lang nach dir da sein, daran ändert auch dein hochwürdiger Preis nichts. Und wenn du von dem Mann reden willst, nach dem der Preis benannt ist, dann sprich davon, wie plötzlich einer sterben kann. Mitten darin. Alltagsverwickelt, voller Absichten, voll Neugier, Wut, Liebe, kleiner Pläne, großer Pläne. Sprich davon, wie furchtbar das ist. Und sprich davon, wie sehr du’s bei dem Gedanken mit der Angst zu tun kriegst.“

„Das krieg ich allerdings“, sagte ich leise. Und wieder einmal, ich konnte nicht anders, schauderte mir davor, wie kurz die uns gegebene Zeit ist, selbst unter besten Umständen, selbst wenn man Glück hat und ein sogenanntes langes Leben, das, bei Licht betrachtet, so besonders lang auch nicht ist. Seit ich die Gesichtszüge meines Vaters in meinem Sohn erkenne, fühle ich wirklich dass wir die Dinge und die Zeit bloß an andere weitergeben, und ich dachte an die Warnung, die mir einst ein deutlich älterer Freund gegeben hatte: „Sobald du fünfunddreißig wirst, fangen deine Freunde zu sterben an“, und genauso war es gekommen, und ich dachte ausgerechnet daran, wie ich einst mit Péter Esterházy im Museum war und wie er von der Frau an der Kasse zum ersten Mal in seinem Leben gefragt wurde, ob er ein Seniorenticket wolle; ich dachte daran, dass seine wie immer vorbildlich elegante Reaktion – ein unentschieden abwägendes Schwenken der rechten Hand – seinen Schreck nicht ganz verbergen konnte; und ich dachte daran, dass Péter Esterházys Tod auch schon wieder zwei Jahre her ist, nach kurzer schrecklicher Krankheit, fast so unerwartet wie der Tod Frank Schirrmachers. Und um das Thema wieder einmal ins Allgemeine zu zerren, sagte ich: „Vergänglichkeit wohnt in allem. Buchstäblich allem. Inzwischen meinen die Physiker, dass in unvorstellbar ferner Zeit sogar die Protonen zerfallen. Dann kann es keine Atome mehr geben, dann könnte nichts, buchstäblich: nichts, mehr bestehen. Das Universum selbst ist sterblich. Nicht nur das Leben, auch die harte Materie hat ein Ablaufdatum. Außer natürlich, es gibt Gott, und er erbarmt sich und ruft unsere Toten zurück.“

„Ich kenn ihn schon länger“, sagte Till. „Er macht das nicht.“

„Nein“, sagte ich. „Macht er wohl nicht.“

„Aber die Protonen beunruhigen dich nicht wirklich“, sagte er, während seine Stimme ferner wurde. „Lüg nicht schon wieder. Du hast nicht Angst, dass die Materie vergeht. Vor Krebs hast du Angst. Vor Autounfällen. Du hast Angst, nicht fertig zu werden. Und mit Recht, denn was immer passiert: Es wird keiner fertig.“

Manche Dinge aber doch, wollte ich ihm antworten. Das ist das Geschenk der Kunst: dass sie es hin und wieder erlaubt, etwas abzuschließen. Aber zugleich wusste ich, dass dem Eulenspiegel nicht der Sinn nach versöhnlichen Wendungen steht, und ich wusste auch, dass ich ihn wohl nicht mehr treffen würde. Denn so ist es nun einmal mit mythischen Figuren. Manchmal gewähren sie uns ihre launische Gegenwart und lassen sich zum Schein in ein Buch, ein Bild, ein Lied bannen, aber dann sind sie schon wieder dahin, und wir wünschen uns vergeblich, sie kämen auch nur für einen Moment zurück.

Da also Till Eulenspiegel, der nun schon anderswo ist, vielleicht sogar beim nächsten Schriftsteller, meinen Dank gar nach nicht haben möchte, werde ich diesen lieber Menschen aus Fleisch und Blut abstatten. Vor allem danke ich Anne und Oscar, die mein Lebensglück sind und die mich ertragen haben in den Jahren der Arbeit an diesem besonders schweren Buch und an den Büchern zuvor. Ich danke Frank Schirrmacher für sein Buch „Die Stunde der Welt“. Und ich danke Barbara Laugwitz, und zwar ausdrücklich auch im Namen so unterschiedlicher Kollegen wie Martin Walser, Ildikó von Kürthy, Jonathan Franzen und Eckart von Hirschhausen, für vier Jahre der souveränen und tatkräftigen Arbeit – und dieser simple Satz ist leider schon mehr Dank als die Holtzbrinck-Führung für ihre erfolgreichste Verlegerin erübrigen konnte.

Zuletzt danke ich Alvise Contarini. Sie kennen ihn vielleicht nicht. Kaum einer kennt ihn. Er war Botschafter Venedigs bei den Friedensverhandlungen in Westfalen. Man muss sich das vorstellen: Katholische Gesandte durften nicht mit protestantischen sprechen und Gesandte des Kaisers nicht mit denen des Königs von Frankreich. Wie sollte man da Frieden schließen? Einzig Contarini hatte die Erlaubnis, mit allen Seiten zu reden; als Vermittler eilte er unermüdlich, jahrelang zwischen den Parteien hin und her. Alle Absprachen, alle Diskussionen, alle Einigungen, die den Krieg schließlich beendeten, wurden von ihm geformt, betrieben und möglich gemacht. Aber keiner kennt ihn. Man kennt Wallenstein, man kennt den Kaiser und Gustav Adolf von Schweden, man kennt notfalls noch Tilly und Torstensson, all die Meister des Tötens, aber Contarini wurden keine Lieder gesungen, keine Stücke wurden über ihn geschrieben, ihm wurden weder Biographien gewidmet noch Filme, noch Gedenkveranstaltungen. Doch auf die große und pathetische Frage, was die Welt denn braucht, damals, heute, allezeit, gibt es eine schlichte Antwort: Menschen wie ihn.

Rede von Daniel Kehlmann anlässlicher der Preisverleihung.

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Leserbrief Mitteldeutsche Zeitung – „Alarm im Opernhaus“ (17.November 2017)

Sehr geehrter Herr Eger,

vielen Dank für den aufschlussreichen und besorgniserregenden Artikel vom 17. November. Aufschlussreich, weil er den Weg eines Stefan Rosinski im halleschen Kulturleben als eine weitere Station im Werdegang eines künstlerisch ambitionierten Geschäftsführers aufzeigt. Besorgniserregend, weil eben jene künstlerischen Ambitionen eine Schlüssellochmoral offenbaren, die den Kulturinstitutionen der Stadt auf Dauer schaden können.

Sollten die von Ihnen zitierten Passagen aus dem Geschäftsbericht des Geschäftsführers der TOOH GmbH, Stefan Rosinski, tatsächlich als konzeptionelle Kritik am vermeintlich „…politischen Musiktheater…“ eines Florian Lutz formuliert sein, der sich damit auf eine „…Untergruppe von Opernliebhabern…“ konzentriert, so wirft das eine Vielzahl kulturpolitischer Fragen auf. Zensur wäre sicherlich der schärfste Vorwurf, auch wenn die Gründe nicht in einem kulturpolitischen Gegenkonzept zu suchen wären, sondern in der Kleinmut und Eitelkeit eines von Furcht getriebenen „Don Pizarro“. Mangelndes Interesse am Opernpublikum wäre ein weiterer Aspekt, der vorzubringen wäre. So gab es seit Amtsantritt des neuen Geschäftsführers viele verpasste Gelegenheiten für ein offizielles Gespräch und eine umfassende Meinungsbildung mit dem Vorstand der Gesellschaft der Freunde der Oper und des Balletts Halle (Saale) e.V.

Die Förderung des Landes Sachsen-Anhalt für die TOOH GmbH – derzeit immerhin knapp 10 Millionen Euro pro Jahr – zielt auch auf „nationale Exzellenz“, ein Ziel, welches durch die neue Intendanz erfolgreich angegangen wurde. Sollten die städtischen Geldgeber andere Absichten haben, gilt es diesen Zielkonflikt zu moderieren. Der Moderator: Stefan Rosinski. Doch statt Moderation, Dialog und Führung erlangt man den Eindruck, dass die Geschäftsführung den übergelaufenen Kelch der Missetaten auf die Bühne drängt. Vielleicht nicht die beste Regie-Idee.

In Zeiten politischer Gleichgültigkeit sollten wir froh über die politischen Aspekte der Kunst sein. Diese sind seit jeher integraler Bestandteil künstlerischen Schaffens und als vorpolitische Instanz (oder Überbau – je nach Ideologie) wegweisend für unser Zusammenleben und die Werte und Normen eines jeden einzelnen. Dies abzutun, zu verunglimpfen und Kritik als einzige Form der Anerkennung gelten zu lassen, wäre fatal.

Der grausame Gang der prunkvollen Nichtigkeiten nimmt derweil seinen Lauf. Die öffentliche Diskussion disziplinarischer Maßnahmen, eine irritierend späte Abo-Kampagne in der laufenden Spielzeit: Der potentielle Schaden für die Kulturinstitutionen der Stadt ist nicht zu unterschätzen. Die anstehenden Verhandlungen mit dem Land über die Fortführung der Förderung der TOOH GmbH werden durch verhärtete Fronten, Uneinigikeit und offen ausgetragene Konflikte zu einer Gewährsprobe, die immerhin die Chance auf ein Zusammenraufen bereithält. Was ist die Strategie der TOOH GmbH und welches das künstlerische Konzept der Zukunft? Der düstere Glanz eines abgetakelten Provinztheaters? Erfolg um den Preis vernichtenden Neons? Ich bin gespannt auf einen weiteren Akt dieses destruktiven Stadttheaters…

Was bleibt ist die Kunst. „Mögen die Höhepunkte der Vergangenheit die Tiefpunkte der Zukunft sein.“ (Olli Schulz)

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Ingo Herrmann

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Geschützt: Max Frisch – Fragebögen

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Vortrag Verteidigung (08. Dezember 2016)

Vortrag Verteidigung

Sehr geehrte Kommission,

Sehr geehrte Damen und Herren,

Liebe Gäste,

mein Name ist Ingo Herrmann, ich bin 34 Jahre alt und habe mich in den vergangenen sechs Jahren mit einem Thema befasst, dass sicherlich ungewöhnlich für die Kunstgeschichte ist. Der Kulturpolitik des Bundes.

Ich möchte Ihnen im Rahmen der ersten 30 Minuten dieser Verteidigung skizzenhaft die Grundlagen, das Vorgehen aber auch die Ergebnisse der Arbeit versuchen vorzustellen. Dabei werde ich mich im Kern auf die folgende Gliederung beziehen:

Nach einigen einleitenden Bemerkungen möchte ich zunächst die Fragestellung der Arbeit erläutern um anschließend die Methodischen Grundlagen zu reflektieren. Den Kern soll die skizzenhafte Vorstellung einer der Fallstudien bilden – die sich dem Akteur KSB widmet – bei deren Vorstellung ich mich auf einen Aspekt beschränken möchte, der jedoch exemplarisch die Erkenntnisse der Arbeit darstellen soll – wenn auch verkürzt.

Von hier möchte ich die Ergebnisse der Arbeit zusammenfassend vorstellen.

1.  Einleitung

Die Kernfrage meiner Dissertation lautet: Welche Funktionen hat die Kulturpolitik des Bundes und wie genau betreibt der Bund Kulturpolitik?

Diese Frage habe ich vor dem Hintergrund eines wachsenden Interesses des Bundes an der Kulturpolitik gestellt.

Indem man sich fragt, welche Funktionen der Bund seinem kulturpolitischen Handeln zuweist, kann man schließlich auch die Frage nach dem wachsenden Interesse des Bundes an diesem Politikfeld beantworten.

Der Weg, der mich zu dieser Frage geführt hat, ist flankiert von zwei entscheidenden Einflüssen: Ich hatte im Jahr 2009 meine Magisterarbeit über einen Trailer von Francesco Vezzoli geschrieben. Ursprünglich um mich mit dem Thema Pornographie in der Kunst auseinanderzusetzen.

Leider ging es in dem Trailer dann nicht so vordergründig um Pornographie, wie ich mir das gewünscht habe, sondern vielmehr um die übersteigerte Marktorientierung des Kunstfeldes.

Zur gleichen Zeit habe ich ein Interview von Michael Glos, dem damaligen Bundeswirtschaftsminister, gelesen, der mehr Künstler unternehmerisch erfolgreich machen wollte.

Ein (italienischer!) Künstler der eine dezidiert kritische Position zur Ökonomisierung des Kunstmarktes formuliert und ein (deutscher!) Bundes-Wirtschaftsminister, der genau diese Entwicklung mit einer Initiative auf Bundesebene forciert.

An diesem Punkt war ich insofern irritiert, da Glos’ Vorhaben – überspitzt: Künstler in Lohn und Brot zu bringen – eher nach New Deal als nach der Kulturpolitik des Bundes in den vergangenen Jahrzehnten klang.

Welche Funktionen hat also die Bundeskulturpolitik?

Diese Frage war für mich auch eine Frage, welches Fach eigentlich für deren Beantwortung zuständig ist.

Da ich die Frage nach der Einflusssphäre des Kulturpolitischen auf die Kunst forcieren wollte, erschien mir die Kunstgeschichte als die geeignete Disziplin. Eine Disziplin, die – flankiert von den Leistungen vieler anderer Fächer – ihre methodische Vielfalt gegen die Vielfältigkeit – gerade in der zeitgenössischen Kunst – aufbieten muss.

Ich würde mir wünschen, das die Kunstgeschichte noch intensiver die Aufmerksamkeit auf den Zeitraum vor der Entstehung von Kunst legt, vor der Entstehung von Ausstellungen. Wer finanziert denn eigentlich Ausstellungen? Welche Künstler werden gezeigt und welche nicht?

Denn – das ist eine der Annahmen der Arbeit – Kunst immer erst mit der Rezeption an Bedeutung gewinnt.

Und um diese kulturpolitischen Einflüsse der Bundesebene transparent zu machen, kann die vorgelegte Arbeit als eine Grundlage dienen.

2.  Fragestelung

Die Fragestellung nach der Funktion der Bundeskulturpolitk, erscheint zunächst gar nicht von Interesse, da ganz offensichtlich dem Bund die Zuständigkeit für dieses Politikfeld fehlt.

Das Grundgesetz weist den Ländern und Kommunen die Zuständigkeit zu. Lediglich in der Außen-Kulturpolitik gibt es eine eindeutige Regelung im Grundgesetz, die dem Bund diese Kompetenz zuweist. Innenpolitisch war es in den 1980er Jahren die einzige Aufgabe Art. 5 GG die Kunstfreiheit zu gewährleisten.

Unabhängig von rechtlichen Fundamenten, kann man dem Bund jedoch aus a.) historischen aber auch b.) logischen Tradition heraus nicht jegliches kulturpolitische Handeln versagen.

Dennoch könnte man aber mit einer Konstanz in der Verteilung der kulturpolitischen Zuständigkeit rechnen, in der der Bund sicherlich nie unberücksichtigt vermutet werden durfte.

Als wesentlicher Indikator für die Verteilung des kulturpolitischen Engagements dienen mir die Anteile an der öffentlichen Kulturfinanzierung.[1]

Hier ist einerseits ein verstärktes finanzielles Engagement des Bundes in der gesamtstaatlichen Kulturfinanzierung zu erkennen. Insbesondere in der Vervielfachung des Bundesanteils an der öffentlichen Kulturfinanzierung, bei einem Abschmelzen der Gemeindeanteile.

Andererseits geht dieser Indikator des wachsenden Anteils an der Finanzierung einher mit dem wachsenden Interesse des Bundes an diesem Politikfeld:

So gründet oder beschließt der Bund in der 1980er Jahren die KSV, Kunstfonds, KSL, HdG und die Bundeskunsthalle. In den 1990er Jahren gibt es ein verstärktes Engagement des Bundes in Berlin. Mit dem Regierungswechsel von Helmut Kohl zu Gerhard Schröder wird ein Beauftragter der Bundesregierung für dieses Politikfeld bestimmt, erneut ein monothematischer Bundestagsausschusses zum Thema Kultur eingesetzt. In den 2000er Jahren schließlich die KSB und die Initiative KKW gegründet.

3.  Methodische Reflektionen

Wie nährt man sich der Frage nach den Funktionen der Bundeskulturpolitik?

Ich habe mich für drei exemplarische Fallstudien entschieden, die jeweils eine spezifische Funktion der Kulturpolitik des Bundes an einem konkreten Beispiel untersuchen.

  1. Die Kulturstiftung des Bundes dient dabei der Untersuchung der These, dass eine Bundeskulturpolitik eine Institutionenpolitik ist. Das heißt ich habe untersucht inwiefern der Bund Institutionen schafft um kulturpolitisch wirksam werden zu können. Also selbst Instrumente zur Gestaltung von Kulturpolitik generieren.
  1. Die Fallstudie zur Hauptstadtkulturpolitik untersucht die Bundeskulturpolitik auf ihre Funktion als Identitätspolitik. Das heißt wie der Bund seine Hauptstadt gestaltet um einen nationalen Identitätsort zu schaffen. In Berlin geschieht das aus meiner Sicht auch über den Versuch der Etablierung als Kulturmetropole, gerade im Kontrast zu Bonn.
  1. Die Fallstudie zur Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft untersucht die Kulturpolitik als eine vereinnahmte Wirtschaftspolitik. Der Bund versucht Kulturpolitik mit anderen Politikfeldern zu vernetzen um primär volkswirtschaftlichen Nutzen zu generieren.

In der Bearbeitung der Fallstudien bin ich sehr stringent vorgegangen:

Alle drei Fallstudien versuchen zunächst in einer historischen Genese den Untersuchungsgegenstand in seiner Entstehung einzuordnen. Anschließend habe ich versucht strukturelle, prozessuale und inhaltliche Merkmale deskriptiv zu erfassen und kritisch zu analysieren. Am Ende einer jeden Fallstudie wurde in einem kurzen Resümee die analysierte Funktion der Bundeskulturpolitik herausgearbeitet.

Wo hilfreich habe ich das um theoretische und methodische Aspekte ergänzt.

Ähnlich ist auch die Gesamtarbeit aufgebaut.

Grundlage für die Aktionsfelder bzw. Fallstudien im Hinblick Quellen war zuallererst das Parlamentsarchiv, da das Parlament mit einer Vielzahl an Informationen versorgt ist.

Natürlich bietet eine solche Arbeit auch Gelegenheit für Kritik, die man einerseits als Zweifelnder selbst formuliert, spätestens jedoch in den Gutachten formuliert werden. Ich möchte auf einige kurz eingehen:

Das hat insbesondere mit dem Mangel an kunsthistorischen Beispiel zu tun, die viele Aspekte – gerade in den Fallstudien – illustriert hätten. Ich verstehe das auch als Forschungsausblick, wenn man  die von den Bundesinstitutionen geförderten Künstler oder Ausstellungen in den 1980er Jahren mit denen in den 2000er Jahren vergleicht. Man hätte das machen können. Allerdings hätte ich es dann für jede Fallstudie sehr konkret machen wollen. Dadurch das doch gravierende Veränderungen im Kulturpolitischen Selbstverständnis gibt hätte man hier aus meiner Sicht vergleichend arbeiten müssen und damit ist man allein dem Umfang betreffend bei einer eigenen Arbeit.

Aber es gibt auch begrifflich Leichtfertigkeiten, die in einem der Gutachten vorgebracht wurden. So ist der Repräsentationsbegriff in der Politik natürlich ein anderer, als der der symbolischen Repräsentation, auf den ich mich regelmäßig beschränke. In der Politikwissenschaft bezeichnet Repräsentation natürlich auch einen Modus z.B. Willensbeziehung zu organisieren oder wird im Sinne einer deskriptive Repräsentation benutzt. Das hätte man in den Begriffserklärungen ausführen müssen um besonders die unterschiedlichen Begriffssphären der beiden Fächer zu verdeutlichen.

Die konsequentere Betrachtung und auch Erwähnung des Politik-Zyklus hätte die Arbeit um eine systematischere Perspektive ergänzt, die die Entwicklung politischer Prozesse verdeutlicht hätte. Wobei ich hier der historischen Perspektive verhaftet war.

An der Stelle möchte ich auf einen Wunsch aus den Gutachten eingehen, der die Verzahnung der beiden vermeintlichen Chronologien zum Inhalt hat.

Um die historische Entwicklung der Kulturpolitik zu veranschaulichen, habe ich mich auf die Kulturpolitischen Konzepte in der BRD gestützt. Dieses Schema suggeriert die Abfolge bestimmter konzeptioneller Ideen seit 1945. Der Wunsch, die Funktionen mit diesem Konzept zu verzahnen habe ich insofern nicht beachtet, weil ich die Funktionen unabhängig von einer Chronologie verstanden wissen will.

Wenn ich also beispielhaft die Bundeskulturpolitik als eine Politik analysiere, die Institutionen gründet um überhaupt Wirksamkeit zu erlangen, dann ist das grundsätzlich unabhängig von der in der Fallstudie offerierten Dominanz zu diesem Zeitpunkt. Da zum Beispiel auch in den 1950er Jahren Institutionen gegründet wurden.

Daher stehen diese vermeintlichen Chronologien auch nebeneinander.

4.  Vorstellung eines Fallbeispiels

Im Folgenden soll eine Fallstudie näher betrachtet werden und zwar die der Kulturstiftung des Bundes.

Die damit verbundene These hatte ich bereits erwähnt: Kulturpolitik sollte als Institutionenpolitik untersucht werden. Die Annahme ist die, dass Institutionen notwendig sind um kulturpolitisch wirksam werden zu können, weil man beispielsweise nicht aus dem Nichts einen Künstler fördern oder eine Ausstellung finanzieren kann. Und aus meiner Sicht stellt die KSB exemplarisch eine solche wirkmächtige Institution dar.

In den Jahrzehnten zuvor hatte der Bund nur wenige Institutionen gegründet. Dennoch formuliert Willy Brandt 1973 die Idee eine unabhängige Deutsche Nationalstiftung (DNS) nach dem Vorbild der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK).

Es dauert mehr als fünf Jahre, bis das Scheitern dieser Stiftung aufgrund des mangelnden Gestaltungswillens der Länder offenbar wird. Der Bund hatte bereits Gelder im Haushalt zurückgestellt, die Helmut Schmidt dennoch Künstlern zur Verfügung stellen wollte und diese deswegen aufforderte einen eigenständigen und eigenverwalteten Fonds zu gründen. Der Fonds sollte modellhafte Vorhaben von gesamtstaatlichem Interesse fördern (der Begriff ist bis heute strittig! unbestimmter Rechtsbegriff). Die Finanzierung übernahm der Bund – anfänglich – unmittelbar. Später die KSL.

Auch wenn der Fonds sehr klein ist (der Kunstfonds gibt jährlich ca. 1 Mio. € aus), habe ich ihn als einen direkten Vorläufer sowohl der KSL wie auch der KSB identifiziert. Natürlich weil sie a.) aus den Mitteln der DNS gegründet wurden, aber auch, b.) weil sie grundsätzlich eine strukturelle und organisatorische Ähnlichkeit mit der späteren KSB aufweisen.

Die Fonds vergeben (bis heute) die Antrags- bzw. Projektförderungen in einer Eigenverwaltung, das heißt die Künstler (über ihre Verbände) können selbst entscheiden, was wie gefördert werden soll.

Das bedeutendste Gremium des Fonds ist ein Kuratorium, das grundsätzlich durch Künstler besetzt ist. Diesem waren zwei Vertreter des BMI mit einfachem Stimmrecht zugeordnet. Faktisch besaßen die beiden BMI Vertreter jedoch keine Bedeutung, da insgesamt mehr als 16 Stimmen in dem Gremium vertreten waren, das mit einfacher Mehrheit Entscheidungen trifft.

Das heißt also das sich der Bund in diesen Fonds die er zu Beginn der 1980er Jahre gegründet hat, in seinem Einfluss sehr beschränkt hat, obwohl er diese Institutionen voll finanziert.

Die Kunstfonds sind damit – zumindest auf einer formalen Ebene – im gesamten Betrachtungszeitraum unabhängig.

In der KSB stellt sich diese Situation anders dar.

Michael Naumann spricht im Jahr 2000 die Idee einer Bundeskulturstiftung erneut an. Reflexartig sind die Länder in Opposition, aber die lange Verhinderungsgeschichte der DNS im Hinterkopf, wird die KSB gegen den Willen der Länder im Jahr 2002 einfach gegründet.

Der wesentliche Unterschied zu den Kunstfonds, ist das Thema ist das Thema Selbstverwaltung, das noch als Credo für die Kunstfonds bezeichnet werden konnte. Entgegen der Besetzung des wichtigsten Gremiums mit Künstlern, ist der Stiftungsrat auf den ersten Blick zwar recht vielseitig besetzt.

Jedoch haben Bundesvertreter jeweils zwei Stimmen, während alle anderen nur eine Stimme besitzen.

Da Entscheidungen satzungsgemäß mit einfacher Mehrheit gefällt werden, genügen rechnerisch neben dem BKM vier Bundesvertreter (= zehn Stimmen) für eine beschlussfähige Mehrheit, da die Stimme des BKM in Pattsituationen entscheidet.

Damit bin ich mit der skizzenhaften Darstellung dieses Fallbeispiels auch am Ende.

Ich wollte die Gründung zweier Institutionen im Betrachtungszeitraum aufzeigen, an denen sich exemplarisch für die Arbeit zeigen lässt, dass die Kulturpolitik des Bundes im gesamten Betrachtungszeitraum immer auf den Ausbau von Institutionen gerichtet ist.

Zudem lässt sich deutlich ein wachsenden Selbstbewusstseins bzw. Machtbewusstsein des Bundes konstatieren, dass sich eben im Umgang mit diesen Institutionen wiederspiegelt: a.) Wie sie gegründet werden (Basta-Mentalität). b.) Wie sie finanziert werden (unmittelbar) und c.) Wie sie strukturell Entscheidungen treffen (Bund hat Mehrheit).

Der Bund schafft sich mit der KSB eine Institution in der die Möglichkeit des politischen Einflusses der Stiftungsarbeit durch den Bund besteht. Auch wenn ich das nicht im Detail untersucht habe, gibt es Koinzidenzen.

Ergänzend kann man auch noch einen Wechsel des Politikstils von kooperativem Stil Kohl zu neuem Machtbewusstsein in Person von Michael Naumanns (Verfassungsfolklore in der Kulturpolitik) sprechen.

5.  Zusammenfassende Ergebnisse

Betrachtet man nun die gesamte Arbeit, habe ich lediglich drei Funktionen der Kulturpolitik des Bundes herausgearbeitet. Es gibt weitere.

Das wachsende Interesse und Engagement des Bundes im Feld der Kulturpolitik ist – so konnte ich nachweisen – auch eine Politik der Aneignung.

Das zeigt  sich daran – wie bereits erwähnt –, das der Bund in Verlauf des Betrachtungszeitraums Institutionen und Akteure installiert, Aktionsfelder besetzt (Hauptstadtkulturpolitik) und sukzessive auch inhaltlich zu gestalten versucht (KKW). Das finanzielle Engagement unterstützt diese Ergebnisse.

Dabei ist entscheidend, das die Kulturpolitik des Bundes nicht unmittelbar auf die Unabhängigkeit, Eigenständigkeit oder Freiheit der Künstler und des Kunstwerkes ausgerichtet ist, wie man das vermuten könnte. Vielmehr ist die Kulturpolitik des Bundes an Nutzungsfunktionen orientiert und ganz klar auf eine Steuerbarkeit ausgerichtet.

Der Bund gestaltet – so meine abschließende Theorie der Arbeit – seine eigene Existenz als Profil einer sichtbaren Vollkommenheit, indem er zunehmend eigenverantwortlich Kulturpolitik gestaltet. Mit der zunehmend – meist unmittelbaren – Finanzierung der Kulturpolitik expandiert er auf einem wirkmächtigen Politikfeld, dessen kompetenzrechtliche Problematik zwar offenbar ist, dessen Perspektiven im Hinblick auf diverse funktionelle Nutzenaspekte – wenn auch nicht hinreichend erforscht – doch als aussichtsreich zu beschreiben sind. So könnte die Ästhetisierung des Staates auch als bundesstaatliche Selbstheilung eines als mangelhaft empfundenen Kompetenzgefüges beschrieben werden.

Wichtig ist dennoch zu erwähnen, das man nicht von einer Allmacht der Bundeskulturpolitik im Sinne einer zentralistischen Kunststeuerung sprechen kann. Das dezentrale Modell der Dominanz von regionalen und funktionalen Akteuren bleibt grundsätzlich bestehen, auch wenn man die Entwicklung nicht außer Acht lassen darf.

Damit möchte ich auch einen ersten Impuls setzen, der auch noch einen Kritikpunkt aus den Gutachten betrifft.

Vielen Dank.

 

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Offen Gesagt – H&T Journal 2/2016

Das Leben hält bekanntermaßen eine Vielzahl an kuriosen Weisheiten bereit. Eine meiner Liebsten lautet wie folgt: Wer morgens zerknittert aufwacht, hat tagsüber die besten Chancen sich zu entfalten. Das Geäst von Entscheidungen, dass ein Leben wachsen lässt und Jahr für Jahr zur Entfaltung beiträgt, ist jedoch in den seltensten Fällen von Sprichwörtern geprägt. Diese dienen allzu oft nur der Erheiterung, Zerstreuung oder Besinnung. Die Grundwerte auf die ich mich – auch hier bei Herrmann & Tallig – stütze, lauten Vernunft und Vertrauen.
Da ich vernarrt bin in Kunst, schmökere ich manchmal am Abend in Büchern und lese über Künstler. Vor nicht allzu langer Zeit fand ich dabei die Anekdote eines berühmten chinesischen Künstlers – Ai Weiei – der als Kind in einem Erdloch hauste. Ohne Gram berichtete er von seinem Leben in diesem Erdloch, den Gründen warum er dort gemeinsam mit seiner Familie viele Jahre seines Lebens zubrachte. Allzu oft rannten Schweine über das Dach dieses Erdloches und brachen mit ihrem Hinterteil ein, so dass der Familie die Schweinehintern recht bald vertraut waren. Man verstärkte die Balken des Daches. Weil jedoch auch kein Licht vorhanden war, stieß sich der der Vater eines Abends beim Hinabsteigen den Kopf an einem der Dachbalken. Mit blutiger Stirn ging er zu Boden. Aus diesem Grund hoben Ai Weiei und sein Vater einen Spaten tief den Boden aus, was den gleichen Effekt hatte, wie wenn Sie das Dach um 20 cm angehoben hätten. Hausbau kennt keine Ideale!
Sie fragen sich, was diese Anekdote mit Herrmann & Tallig zu tun hat? Neben der Erkenntnis, dass es keine ideale Architektur gibt, ist es vielleicht die simple Erkenntnis, dass es selten lohnt an Musterbildern festzuhalten, stattdessen auf den gesunden Menschenverstand zu vertrauen. Überhaupt Vertrauen! Die Urlaubszeit klingt aus, Urlauber kehren zurück in ihre angestammten Objekte. Wenn auch nicht jede Urlaubsvertretung immer reibungslos funktionierte, ist es doch ein gutes Gefühl, dass man sich auf jemanden verlassen kann. Wer kennt das nicht? Ungern werden wir enttäuscht. Also werden auch Vertretungsobjekte mit bestem Gewissen, einem handfesten Leistungsverzeichnis und einem fundierten Revierplan betreut. Schließlich wollen wir, dass sich unsere Kunden auch in Ihrem Urlaub auf uns verlassen können. Und sprichwörtlich schallt es aus dem Wald heraus, wie es hinein schallt. Urlaubsvertretung ist Vertrauenssache unter Kollegen! In diesem Sinne einen guten Restsommer und einen goldenen Herbst!

Ihr Ingo Herrmann

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Rede Wirtschaftsbeirat Hallescher Fußball Club HFC e.V. (08.12.2015)

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich darf Sie im Namen des Vorstandes des Wirtschaftsbeirates des HFC ganz herzlich hier in den Räumen des Kunstvereins Talstraße in Halle begrüßen. Mein Name ist Ingo Herrmann. Ich bin Geschäftsführer der Herrmann & Tallig Objektdienste GmbH.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen hier auch einige Worte zu Herrmann & Tallig zu verlieren. Ich könnte ihnen jetzt Stundenlang erzählen, wie facettenreich ein Gebäudedienstleister wie wir aufgestellt ist: Bau-, Krankenhaus-, Solar-, oder  Büroreinigung, Winterdienst, Grünanlagenpflege, Hausmeisterdienste usw. Aber man kann das auch kurz und knackig machen: Wir – also Herrmann & Tallig – sorgen für Sauberkeit und Hygiene in Mitteldeutschland.

Das ist die Realität in der wir leben.

Vom einfachsten Dreck auf dem Flur, über die blutigen Hinterlassenschaften von Selbstmördern bis hin zum sterilen Reinraumen, der Lebensmittelproduktion oder einer komplexen Desinfektion im OP-Saal.  Das ist unser tägliches Brot.

Das klingt für viele oft banal und in der Tat: Reinigung scheint heutzutage oft banal. Aber ohne Hygiene, ohne Sauberkeit, ohne die kontinuierliche Reinigung von allem möglichen, gäbe es heute weniger Gesundheit und die Menschheit – gewagte These –wäre nicht dort, wo sie heute ist.

Das am gesundheitlichen Wohlbefinden ausschließlich die Gebäudereiniger schuld sind, wäre natürlich vermessen zu behaupten. Auch die Medizin hat ihren bescheidenen Anteil an der Entwicklung…

Auch wenn unsere Erfahrung im Krankenhaus zeigt – und da muss ich eine Lanze für unsere Mitarbeiter brechen –  das die Reinigung in den seltensten Fällen an Keimverschleppungen schuld ist, sondern fast immer die Schwestern und Ärzte die sich nicht die Hände desinfizieren. Aber das nur am Rande. Dennoch an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an Professor Bernd Fischer, den Leiter des anatomischen Instituts, dass er die Führung durch die Meckelsche Sammlung selbst vorgenommen hat und damit den ersten Brückenschlag zur Gebäudereinigung getan hat … auch wenn die Anatomie nicht mehr so viel mit Wohlbefinden zu tun hat.

Jetzt kann man sich noch Fragen, warum ein Gebäudereinigungsunternehmen hier den Kunstverein ausgewählt hat um eine Sitzung des HFC-Wirtschaftsbeirates auszurichten. Die einfache Antwort: Ich hab Kunstgeschichte studiert, mag diesen Verein und wollte einen Brückenschlag zwischen Sport auf der einen und Kunst auf der anderen Seite.

Sport heißt schließlich nicht nur „aufgepumpter Muskelprotz“, sondern auch Kultur. Im Idealfall ist Fußball sogar Kunst. Und Kultur, Kunst ist für uns – für mich zumindest – essentiell. Kunst gibt Inspiration, … regt zum Nachdenken an, Kunst bringt uns auf andere Gedanken oder ist schön.

Beide – Sport wie auch Kunst – sind sich nicht unähnlich: Sie erfordern Kreativität, Ausdauer, Geschick, Schnelligkeit. Sie können kräftezehrend sein. Beide haben auch eine geistige Komponente: benötigen Regeln, haben eine Strategie.

Und was hat das alles nun wiederum mit Gebäudereinigung zu tun? Was verbindet Gebäudereinigung, Kunst, Sport, Wirtschaft?

Im Wesentlichen, dass all das von Menschen, für Menschen gemacht wird.

Bei Herrmann & Tallig sind das über 850 Mitarbeiter, die jeden Tag irgendwo zwischen Erfurt, Dresden, Stendal , Magdeburg und Halle versuchen, unseren Auftrag – Sauberkeit und Hygiene – in die Tat umzusetzen. Und wie überall beim Umgang mit Menschen, ist die schwerste Arbeit die Arbeit mit dem Menschen, ihn zu gewinnen, zu motivieren und dort hin zu führen, wo er das bestmögliche schafft. Das ist die Klammer, die uns heute verbindet.

Ganz in dem Sinne: Es hat schwach angefangen und stark nachgelassen, danke ich für die Aufmerksamkeit. Frohe Weihnachten und BLEIBEN SIE SAUBER!

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Claudio Bravo: Die Versuchung des heiligen Antonius (Santiago de Chile)

Claudio Bravo: Die Versuchung des heiligen Antonius (Santiago de Chile)

Claudio Bravo: Die Versuchung des heiligen Antonius (Santiago de Chile)

 

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Zitat Foucault

Zitat Michel Foucault (Quelle: verschludert)

Zitat Michel Foucault (Quelle: verschludert)

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20. Dezember 2015 · 11:15

SCHWEINEKOPF!

Schweinekopf

Schweinekopf

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