Tag Archives: Melancholie

Begin

Brendan Kennelly

Begin again to the summoning birds
to the sight of light at the window,
begin to the roar of morning traffic
all along Pembroke Road.
Every beginning is a promise
born in light and dying in dark
determination and exaltation of springtime
flowering the way to work.
Begin to the pageant of queuing girls
the arrogant loneliness of swans in the canal
bridges linking the past and future
old friends passing though with us still.
Begin to the loneliness that cannot end
since it perhaps is what makes us begin,
begin to wonder at unknown faces
at crying birds in the sudden rain
at branches stark in the willing sunlight
at seagulls foraging for bread
at couples sharing a sunny secret
alone together while making good.
Though we live in a world that dreams of ending
that always seems about to give in
something that will not acknowledge conclusion
insists that we forever begin.“

Aus:
The Essential Brendan Kennelly, Dublin, 2011

Leave a Comment

Filed under Allgemein

Charles Bukowski – Die Hölle ist ein einsamer Ort

Die Hölle ist ein einsamer Ort

er war 65; seine Frau
war 66 und litt an der
Alzheimerschen Krankheit.

Er hatte Mundkrebs.
Eine Operation nach der
anderen; Strahlenbehandlung
zerrüttete seinen Kieferknochen
der mit Draht verstärkt
werden musste.

Jeden Tag wickelte er
seine Frau wie ein
Baby mit Gummi –
höschen.

Er konnte in seinem Zustand
nicht Auto fahren, musste sich
ein Taxi in die Klinik nehmen
konnte kaum noch reden
musste das Fahrziel
auf einen Zettel
schreiben.

Bei seinem letzten Besuch
teilten sie ihm mit
dass eine weitere Operation
nötig war: Noch ein
bisschen linke Wange
noch ein Stück Zunge.

Als er nach Hause kam
wechselte er seiner Frau
die Windeln, schob zwei
Fertiggerichte in den
Ofen, sah sich die
Abendnachrichten an.
Dann ging er ins
Schlafzimmer, nahm
den Revolver, setzte den
Lauf an ihrer Schläfe
und drückte ab.

Sie fiel nach links.
Er setzte sich auf die
Couch, schob sich den
Lauf in den Mund,
drückte ab.

Die Schüsse fielen den
Nachbarn nicht auf –
später aber das
angebrannte Essen.

Jemand kam, stieß die
Tür auf, sah
es.

Bald kam die
Polizei, machte ihre
Arbeit, fand einiges:
Ein aufgelöstes
Sparbuch, einen
Kontoauszug mit einem
Guthaben von $1,14.

Selbstmord –
schlossen sie
daraus.

Drei Wochen danach
zogen zwei neue
Mieter ein.
Ein Computer-
ingenieur namens
Ross
und seine Frau
Anatana
die Ballet-
unterricht
nahm.

Offenbar ein
aufstrebendes
Paar wie
viele.

Erschienen in: Kamikaze Träume, Köln, 2012, S. 134.

1 Comment

Filed under Poesie