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Rasender Stillstand

Michael Krüger

Wir haben es kommen sehen,
das rasende Gewitter,
wie es von Süden her
das Wasser aufmischte
und die letzten Boote vertrieb.
Eben noch saßen wir,
wie erstarrt in der eigenen Ohnmacht,
unter den sesshaften Bäumen
und hörten dem Specht zu,
wie er seine öden Traktate
in die Rinde der Ulme hämmerte.
Dann zeigte der Blitz uns die Zeit,
und der Donner hielt sie an,
bis der Regen wieder nachließ.
Nach dem Gewitter kamen die Mücken
in dichten Geschwadern,
diesen Krieg kann keiner gewinnen.

Quelle:

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Dienstag, 29. Oktober 2019, Nr. 251, S.11

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Der Nußbaum, die Zeit

Michael Krüger

Der Nußbaum musste dran glauben,
um die Sehnsucht nach Ordnung zu stillen.
Vor zehn Jahren habe ich einen Trieb
in die Erde gesteckt, einen puritanischen Stecken,
nach drei Jahren die ersten Nüsse,
rätselhafte Früchte, angeblich
Abbild unseres Gehirns.
Alles wird der Ordnung geopfert,
die Kindheit, die Jugend, der Garten, die Sorge.
Nur mein Gehirn ist so unordentlich geblieben
wie der ungehobelte Nußbaum,
der dem Hasel das Wasser abgräbt.
Aber ich brauchte seinen Schatten,
um mich auszuruhen und zu schauen,
meinetwegen auf Kosten der Wahrheit.
Den freien Platz besetzt jetzt das Unglück,
in dessen Schatten sich die Zeit niederläßt,
die gefräßige Zeit, die alles an sich reißt,
über und unter der Erde, am hellichten Tag.

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