Tag Archives: Mindestlohn

Andrea Nahles zu Besuch bei Herrmann & Tallig

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles und Günter Herrmann (Herrmann & Tallig) im gemeinsamen Pressegespräch zum Thema Mindestlohn (Foto: Lenore Dietsch)

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (li.) und Günter Herrmann (re.) von der Herrmann & Tallig Objektdienste GmbH im gemeinsamen Pressegespräch zum Thema Mindestlohn                             (Foto: Lenore Dietsch)

 

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Deutsche Handwerkszeitung – Ausg. 7 / 17.April 2015 / 67.Jg. – Seite 9

2015 wird als Jahr des Mindestlohns in die Geschichte eingehen. Die ersten Monate sind verstrichen. Gestiegene Preise für Lebensmittel oder Dienstleistungen erzürnen niemanden mehr und der Mindestlohn legt Schritt für Schritt seine kuriosen Gewänder ab: Amateurfußballer, durchreisende Fernfahrer usw. Vielen nicht bekannt: Wir als Gebäudedienstleister haben bereits seit 2007 einen gesetzlichen Mindestlohn. So ist das MiLoG keine allzu große Revolution in unserer Branche: Seit jeher führen wir minutiös Dienstpläne, zahlen gesetzliche Stundenlöhne und archivieren Unterlagen. Doch auch wir empfinden das MiLoG stellenweise als neue Hürde. So führten wir im Januar selbst in der Verwaltung schriftliche Dienstpläne ein. Ärgerliche, vermeidbare Bürokratie! Auch unterschiedliche Arbeitszeit-Definitionen der Gesetze  machen uns zu schaffen.

2013 beschlossen wir mit der Gewerkschaft einen Tarifvertrag, der den Lohn für 2015 auf 8,21 € / Stunde festlegte. Ohne große Anstrengungen hätten wir auch auf diesem Lohn beharren können, gilt doch für bestehende Tarifverträge bis 2017 ein Bestandsschutz. Jedoch haben wir als Branche uns entschlossen: Wir machen mit, beim Mindestlohn. Der bestehende Tarifvertrag wurde „aufgeschnürt“ und die 8,50 € / Stunde aufgenommen – zum Wohle unserer Mitarbeiter, die fast 7% Lohnerhöhung bekamen. Denn jeder unserer Mitarbeiter hat ein Mehr an Lohn verdient. Durch die mediale Diskussion des Themas waren auch unsere Kunden sensibilisiert und nur wenige verweigerten sich einer Preisanpassung. Viel spannender für uns ist jedoch die Frage: Wie geht’s weiter in den kommenden Jahren?

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Offen gesagt – H&T-Journal – 01/2015

Zweitausendfünfzehn – das Jahr des Mindestlohns. Lange hat man debattiert, lange gebraucht, dieses Thema zum Abschluss zu bringen. Das Hadern der Politik konnte ich recht gut verstehen – sind es doch zwei Herzen, die in meiner Brust schlagen.

So erinnere ich mich an die ersten Januartage, als ich beim Bäcker in der Schlange stand und die Verkäuferin wutentbrannte Beschimpfungen Ihrer Kunden über sich ergehen lassen musste. Das Brot kostete plötzlich 3,80 €. Die arme Frau hinter dem Bedien-Tresen war zugleich erzürnt und hilflos, musste sie doch unmittelbar erklären, was zum ersten Januar in Kraft getreten war. Mindestlohn! Sie war Profiteurin, gab es doch eine deutliche Lohnsteigerung. Zugleich stand sie – sinnbildlich – ebenso in einer anderen Schlange und beklagte die steigenden Preise für Lebensmittel und Dienstleistungen. Ein Dilemma das so alt ist, wie die Wirtschaftswissenschaften.

Derweil sind einige Tage verstrichen. Die Brotpreise erzürnen niemanden mehr und der Mindestlohn legt seine kuriosen Gewänder ab: Amateurfußballer, durchreisende Fernfahrer usw. Gerade als Unternehmer bin ich positiv überrascht, wie wohlwollend und verständnisvoll diese Lohnanpassung zum großen Teil von unseren Kunden aufgenommen wurde. Jeder unserer Mitarbeiter hat ein Mehr an Lohn verdient. Und als einer der größten Arbeitgeber in der Region ist es nicht nur gesetzliche Pflicht, sondern auch Herzensthema. Der Weg dahin bedarf – gerade gegenüber unseren Kunden – noch einer Entschuldigung.

So wurde 2013 ein Tarifvertrag beschlossen, der den Lohn für 2015 auf 8,21 € / Stunde festlegte. Ohne große Anstrengungen hätte auch dieser Lohn gezahlt werden können, gilt doch für bestehende Tarifverträge bis 2017 ein Bestandsschutz. Jedoch haben wir als Branche uns entschlossen: Wir machen mit, beim Mindestlohn. Der bestehende Tarifvertrag wurde „aufgeschnürt“ und die 8,50 € / Stunde aufgenommen – zum Wohle unserer Mitarbeiter, die fast 7% Lohnerhöhung bekamen.

Der Einklang mit dem Gesetz, die Einhaltung von Arbeitsschutz und anderen Vorschriften sollte keine gönnerhafte Geste, sondern Selbstverständlichkeit sein. Dieser Selbstverständlichkeit fühlen wir uns seit jeher verpflichtet, weil wir wissen wie hart und aufreibend die tägliche Arbeit sein kann. Leider hat das nicht jeder Mitbewerber bisher erkannt. Letztlich befinden wir uns alle immer auf dem letzten Stand des Irrtums.

Ein erbauliches Frühjahr!

Ihr Ingo Herrmann

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