Tag Archives: Poesie

Rein­hold Au­mai­er

Feiner Herr

Hat mit dieser
grobschl(a)echtigen Welt
fast gar nichts mehr
am Hut

Hängt ihn an den Na­gel

Hebt innerlich ab

Und ist versch
wunderbarerweise
demnächst ein
Wolkerl im end
losen Blau

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Donnerstag, 19. Dezember 2019, Nr. 295, S. 9.

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Heinz Piontek

Heinz Piontek: Selbst, 1964; Aquarell, ca.1999 (Heinz Piontek – Archiv, Lauingen)

Die Furt

Schlinggewächs legt sich um Wade und Knie,
dort ist die seichteste Stelle.
Wolken im Wasser, wie nahe sind sie!
Zögernder lispelt die Welle.


Warten und spähen – die Strömung bespült
höher hinauf mir die Schenkel.
Nie hab ich so meinen Herzschlag gefühlt.
Sirrendes Mückengeplänkel.


Kaulquappenstrudel zerstieben erschreckt,
Grundgeröll unter den Zehen.
Wie hier die Luft nach Verwesendem schmeckt!
Flutlichter kommen und gehen.


Endlose Furt durch die Fährnis gelegt –
werd ich das Ufer gewinnen?
Strauchelnd und zaudernd, vom Springfisch erregt,
such ich der Angst zu entrinnen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Samstag, 14. Dezember 2019, Nr. 291, S. 16.

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Rasender Stillstand

Michael Krüger

Wir haben es kommen sehen,
das rasende Gewitter,
wie es von Süden her
das Wasser aufmischte
und die letzten Boote vertrieb.
Eben noch saßen wir,
wie erstarrt in der eigenen Ohnmacht,
unter den sesshaften Bäumen
und hörten dem Specht zu,
wie er seine öden Traktate
in die Rinde der Ulme hämmerte.
Dann zeigte der Blitz uns die Zeit,
und der Donner hielt sie an,
bis der Regen wieder nachließ.
Nach dem Gewitter kamen die Mücken
in dichten Geschwadern,
diesen Krieg kann keiner gewinnen.

Quelle:

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Dienstag, 29. Oktober 2019, Nr. 251, S.11

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Geschützt: Max Frisch – Fragebögen

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DAS DOOFGEDICHT

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(FDP)

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Ulrich Schacht – Ohne Titel

WOHER WIR KOMMEN bleibt unerschlossen:
Die Daten sind reine Zahl auf Papier.
Am Anfang des Lebens wird Blut vergossen;
am Ende erschrickt ein verwundetes Tier.

Auftauchen Verlöschen: Kometengewitter –
im Raum aller Spiele besiegt uns der Kreis.
Es gibt kein Gestade für jenen Ritter,
von dem unser Herz mit Gewißheit weiß.

Schweigen herrscht zwischen verlorenen Welten:
ihr Kreisen ist grundlose Trunkenheit.
Wann immer wir in unser Leben schnellten,
gewannen wir nichts und verloren die Zeit.

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Offen gesagt (HT Journal 1/2016)

Zum 25. mal in der Geschichte von Herrmann & Tallig können wir das „beste Jahr in der Geschichte von Herrmann & Tallig“ verkünden. 25. mal Wachstum, neue Kunden und Mitarbeiter heißen auch mehr Verantwortung für Dienstleistungsprozesse, Zufriedenheit und die Einhaltung von Versprechen.

Mehr als 900 Kollegen sind in den Gesellschaften derweil für Sauberkeit und Hygiene verantwortlich. Handtuchpapier wird geliefert, Seife aufgefüllt und der Fußboden gewischt, desinfiziert, beschichtet. Die Magie des Handwerks geht dabei – sehr zu meinem Leidwesen – hier und da verloren. Diese Magie gerade bei den Führungskräften von Herrmann & Tallig aufrechtzuerhalten, ist eines der Ziele in diesem Jahr. Unseren Kunden kenntnisreich und mit bestem fachlichem Wissen gegenüberzutreten, war seit jeher Kennzeichen guter Handwerker. Handlungsbedarfe vorzeitig erkennen, Optionen aufzeigen und geschicktes Organisieren sind Stärken, die Herrmann & Tallig zusätzlich auszeichnen.

Um auch in Zukunft weiter erfolgreich agieren zu können, schreitet die Digitalisierung voran. Rechnungen und Lohnnachweise werden – nach Abstimmung – in Kürze digital versendet. Computergestützte Kontrollsysteme sind in anderen Branchen bereits Standard. Und in gedankenschweren Nächten – wenn mein Gehirn, dieser verzauberte Webstuhl wieder bedeutungsvolle Muster hervorbringt – denkt man auch einmal über Reinigungsroboter und ähnliches nach.

Doch bei aller Entwicklung, allem Fortschreiten und Digitalisieren: letztlich hängt Dienstleistung immer an Menschen, an Ihnen. Sie, die Sie Ihre Verantwortung wahrnehmen, egal ob in der Reinigung eines Büros, der Organisation einer Vertretung oder der Lohnbuchhaltung. Jeder von uns ist ein Rad im großen Getriebe, das Herrmann & Tallig so erfolgreich macht.

Trotz aller Exzellenznachmittage hören die Dinge letztlich nicht auf, ihren pragmatischen Weg zu nehmen. Freuen wir uns also auf einen prächtigen Frühling und einen ersten hochsommerlichen Vorgeschmack.

Ihr Ingo Herrmann

 

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Thomas Kling – Das brennende Archiv

menschen gedenken eines menschen.
herz – brennendes archiv!
es ist erinnerung der engel;
erinnerung an alte gaben.
die formel tod, die überfahrt –
die wir zu übersetzen haben.

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Stephan Hermlin – Die Terrassen von Albi

Vor dieser Brücke und den Bastionen
Lacht Bacchus blind verleugnet Mauern an.
Er ist wie irr. Im gelben Fluß zu wohnen
Biegt rückwärts sich sein Fuß und sucht den Kahn,

Der trägt ihn in die Schluchten, wo das Drohen
Von Kathedrale und Palais erstirbt,
Wo Wälder sich, die ungeheuer-frohen,
Groß um ihn schließen, Mistral um ihn wirbt.

Der wilde Wein begleitend hat gelogen,
denn dies verging: der Wahn, die Ahnung, Glut
Von fremden Herzen, die man suchte. Flogen

Nicht heut noch wilde Tauben südwärts? Gut
Und übersetzbar sei, Fluß! Abendhell
Wachst du vom kahlen Hügel, Traumkastell!

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Tadeusz Dabrowski – Auflösung 

Heute habe ich aus deinem Aktfoto ein Auge ausgewählt
und bis zum Rand des Bildschirms vergrößert, bis
zur äußersten Auflösung (und die ist so hoch,
dass man jetzt an dich glauben kann). Ich vergrößerte
dein rechtes Auge, im Wunsch, mit dem letzten Klick
auf die andere Seite zu springen, seine Seele anzuschauen
oder zumindest mich selbst, ganz zerklickt. Etwa
bei der vierundvierzigsten Vergrößerung
sah ich meine undeutlichen Konturen,
bei der sechsundsechzigsten den Umriss
des Fotoapparats, nur für mich zu erkennen. Und
dann nichts mehr außer grauen Rechtecken,
exakt angeordnet wie Ziegel in einer Mauer, wie
die Steine in der Klagemauer, vor der ich stehe
Tag und Nacht, um beharrlich die Fugen zu sprengen
mit den Zetteln meiner Gedichte.

Aus dem Polnischen von Renate Schmidgall.

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