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Die anhaltinische Friedensbirne

Nach einem Streit zwischen Fürst Leopold und einem befreundeten Bauern, der allein des standesgemäßen Unterschiedes wegen zugunsten Fürst Leopolds hätte entschieden werden müssen, verließ der im Rang unterlegene wutentbrannt das Schloss des Fürsten. In einem Komplott mit mehreren Bauern, die dem Fürsten ebenso zugetan waren, beschloss man dem Fürsten eine kleine, mehr freundschaftliche, Lehre zu erteilen. Der Fürst jedoch ward nicht allein wegen seiner guten Beziehungen zu den einheimischen Bauern gemocht, sondern hatte auch sonst viele Bewunderer in seinem Fürstentum. Und so kam es, dass der Plan der Bauern nicht lange unausgesprochen blieb – es war wohl ein Beteiligter selbst, der einem guten Freund im Vertrauen von den Plänen berichtete – und alsbald wurde der Fürst über den Komplott unterrichtet. Auch wenn das schlängelnde Gerücht sich längst zu einer bösartigen Schlange mit gespaltener Zunge entwickelt hatte, wusste der Fürst die ihm zugetragenen Informationen richtig zu deuten und erkannte die Lehrabsichten seiner Freunde. Er beauftragte einen Diener, ihm einige Birnen herbeizuschaffen und kurz im Salon zu warten. Derweil schnitt er eigenhändig die Birnen auf und drapierte sie auf einem allein für den Fürsten bestimmten Teller. Der Diener hatte nun die Aufgabe den mit Birnenstücken drapierten Fürstenteller hinüber ins Gasthaus zu tragen, wo die Bauern gewohnheitsgemäß zu dieser Stunde saßen. Diese erkannten den Großmut des Herrschers und verwarfen beschämt ihre unseligen Pläne. Treuherzig lief der einst Wutentbrannte mit dem Birnentellerchen zu seiner Gattin, die aus den Birnen ein köstliches Kompott für den Fürsten kochte, das ihr Mann am folgenden Tag als Geste der Freundschaft ins Schloss hinüber brachte. Seither spricht man in Anhalt – nicht ohne ein Schmunzeln – von der „Friedensbirne“ und dem „Komplott-Kompott“.

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