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Werner Bräunig – Rummelplatz

Da ich ein vehementer Verfechter des Anstreichens wichtiger Textstellen beim Lesen bin, finde ich regelmäßig Wortperlen, die ich gelegentlich hier hinterlegen sollte.

Folgendes aus Werner Bräunigs Rummelplatz:

„Und plötzlich begriff Ruth das ganze Leben der Frauen […], das Leben der Hausfrauen, der Arbeiterfrauen, der Kleinbürgerinnen, der Ehefrauen und Mütter im ganzen Land und überall auf der Welt. Dieses abhängige, enge, unveränderliche Leben, in dem sich vom fünfundzwanzigsten, spätestens vom dreißigsten Lebensjahr an nichts, nichts mehr ändert, wenigstens nicht zum Guten hin. In dem nichts geschah, auf nichts zu hoffen war, nichts erwartet wurde. Es war ein Älterwerden und Sich-Begnügen, ein Verharren auf dem Erworbenen, dem Vergänglichen und dem Vergangenen, dem Abziehbild irgendeines Glücks. Es war eine Welt, in der es nichts gab außer dem Mann, […] nichts außer Miete, Essen, Wohnung und Heizung, nichts außer Wäschewaschen, Dielenschrubben, Sockenstopfen, und vielleicht einmal einem neuenKleid, einem Sonntagsbesuch bei Verwandten, einer Geburt oder einem Todesfall. Die Kinder, solange die Eltern sie brauchten, waren das einzige Lebendige, das einzige, für das zu leben sich lohnte. Und sie dachte: […] Alles, nur nicht dieses lebendige Begrabensein, diese kleingezäunte Häuslichkeit, dieses Ersatzleben. Alles, nur nicht den Verzicht, die Genügsamkeit, die Abhängigkeit von allen und allem.“ (Werner Bräunig, Rummelplatz, Berlin, 2007, S.304f.)

Irgendwie hatte ich da ganz bestimmte Menschen im Kopf… vielleicht liege ich ja auch falsch?

Werner Bräunig

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